Aufs Menschsein nicht vergessen

Über das soziale Virus und sein Gegenmittel.

Markus Kaiser
Markus Kaiser Erstellt am 31. Dezember 2020 | 03:45

Gerade in der Zeit, die eigentlich „still“ sein sollte, fällt eines besonders auf: Die Fronten werden härter. Sei es das politische Klima zwischen SPÖ und ÖVP oder das gesellschaftliche: Während auf Gemeindeebene von Eisenstadt bis Loretto eher Kooperation zählt, wird bei Landesthemen gleich persönlich angegriffen. Das reicht vom Commerzialbank-Untersuchungsausschuss bis zum Thema Impfen. Früher hat es bei Diskussionen über die Aufstellung der Fußball-Nationalteams geheißen, dass Österreich auf einmal aus neun Millionen Teamchefs bestünde. Heute scheint sich beim Thema Impfen die Republik aus neun Millionen Virologen zusammenzusetzen.

Das Gegenmittel zu dieser Tendenz ist – so altbacken das Wort auch klingen mag – eine große Dosis Demut: Niemand hat das Heilmittel für das Coronavirus entdeckt, keine Partei hat 100 Prozent der Stimmen und kein ÖFB-Teamchef wurde Weltmeister.

Bleiben wir also demütig. Hören wir uns in Ruhe an, was andere zu sagen haben und akzeptieren wir aber auch, wenn dessen oder deren Meinung qualifizierter ist als unsere. So werden wir als Gesellschaft gesund – und als Team vielleicht sogar Weltmeister.