Da fährt die Eisenbahn drüber. Über die Direktverbindung nach Wien.

Von Markus Wagentristl. Erstellt am 22. Oktober 2020 (03:45)

Im Stück „Warten auf Godot“ des irischen Dramatikers Samuel Beckett sitzen zwei arme Narren in der Einöde herum und warten. Auf die wechselseitige Frage, worauf sie denn eigentlich warten, lautet die Antwort immer „auf Godot“. Wer oder was das ist, weiß man nur gerüchteweise. Nach einer durchgewarteten Nacht kommt gar nix, die beiden Protagonisten erhängen sich darauf nur in Ermangelung eines Strickes nicht.

Den Eisenstädtern geht es mit dem Direktzug nach Wien ähnlich. Mit dem Unterschied, dass wir schon viel länger als eine Nacht auf den Zug warten, der erste konkrete Umsetzung-Plan für eine Schneise Müllendorf angeblich schon aus dem Jahr 2002 stammt. Es scheitert – wie so oft – an der unheiligen Dreifaltigkeit Bund-Land-Gemeinde. Dass auf der jeweiligen Ebene unterschiedliche Parteien an der Macht sind, rückt das Ziel – ein Direkt-Zug nach Wien – nicht gerade näher.

Aber wir Burgenländer sind ja nicht nur leidensfähiger, sondern auch humorbegabter als die Protagonisten eines abstrakten Theaterstückes. Sollte also jemand die Zug-Patenschaft für den künftigen Eisenstadt-Express übernehmen und diesen „Godot“ nennen: Der Autor dieser Zeilen wäre mit 10 Euro dabei.