Denkmalschutz neu denken

Über das „neue, alte“ Kolpinghaus.

Erstellt am 10. September 2020 | 05:10
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Der enorme Zuzug hat Eisenstadt im letzten Jahrzehnt stark verändert. Wenn die Bagger auffahren – vor allem gegen alte, vielleicht nicht schöne, aber liebgewonnene Häuser – dann werden die Eisenstädter nervös.

Etwa beim alten Lagerhaus, das derzeit abgerissen wird, oder dem Café Paradiso, das nun ein Parkplatz ist, oder dem kleinen und doch markanten gelben Häuschen in Kleinhöflein. Es kommt – das ist leider der Zeitgeist – manchmal etwas Nützliches, selten etwas Schönes raus. „Wofür gibt‘s einen Denkmalschutz?“, fragen viele zurecht.

In der Haydn-Gasse zeigt er gerade, warum. Das alte Kolping-Haus, das in den Sechzigern beim Umbau „verschlimmbessert“ wurde, ist ein Paradebeispiel wie in der geschichtsträchtigen Innenstadt gebaut werden sollte: Die schönen, alten Torbögen wurden erhalten, die Auswüchste darüber beseitigt, die typisch pannonische Fassade wiederhergestellt und die ganze Haydn-Gasse aufgewertet.

Vielleicht sollte der Denkmalschutz aufgewertet und nicht nur mit entweder „unnötig“ oder „teuer“ assoziiert werden. So könnte er ja fördern, statt verteuern, informieren, statt verbieten. Oder auch mal die Rute ins Fenster stellen, etwa den Leuten, die seit Ewigkeiten das Haus am Ende des Domplatzes verfallen lassen.