Der Wein und unser Wesen

Über die Gefahr des Winzer-Sterbens.

Erstellt am 04. März 2021 | 03:45

„Bringst du eigentlich immer eine Flasche Wein mit, wenn du wo zum Essen eingeladen bist?“ Wer Freunde in Wien hat, kennt diese Frage. Ja, das machen wir so. „Und wieso?“ Die Antwort darauf ist ein identitärer Offenbarungs-Eid des Pannoniers und – Weltfrauentag! – der Pannonierin: Weil wir halt so sind („so samma hoid, so damma hoid“).

Ein großes Wort, gelassen ausgesprochen. Denn: Wer wir sind, das vergessen wir selber ja am schnellsten. Die Westösterreicher, die vergessen nicht, dass unsere Großeltern oft in Lehmhütten hausten und halten uns das gerne Schmäh-förmig vor. Wir haben das gerne vergessen, die positiven Begleiterscheinungen – dass wir mit Zusammenhalt, Treue und Fleiß unseren Wohlstand hart erarbeitet haben – leider gleich mit.

Das Winzersterben im Bezirk ist tragischer Ausdruck des vergessenen Zusammenhaltes. Wer sich noch nie Sonderangebots-Rioja beim Spar, statt einen Blaufränkisch beim Winzer vor Ort geholt hat, werfe den ersten Stein.

Auch, wenn es wie eine Predigt klingt: Besinnen wir uns auf das, was unser kleines Land groß gemacht hat. Denn: Jeder ausgerissene Weingarten, jeder geschlossene Weinbaubetrieb ist eine Niederlage für uns alle.