Dorf statt Speckgürtel. Über die Eisenstädter Identität.

Von Markus Wagentristl. Erstellt am 06. August 2020 (03:45)

Architektur ist strenger als die katholische Kirche, hier gibt es keine Buße, Bausünden bestrafen den Betrachter mit jedem Blick. Zu viele Siedlungs-Bauprojekte haben in letzter Zeit den Zorn der Anrainer auf sich gezogen: Die Wienerstraße in Kleinhöflein brachte die Nachbarn auf die Barrikaden. Das alte Lagerhaus wird abgerissen. Dass das Café Paradiso einem lieblosen Parkplatz weichen musste, sollte ein liebevolles Haydnkino-Projekt daneben wieder gut machen.

Und, dass aus der letzten pannonischen Stadl-Zeile in der Feldstraße einfach ein Teil herausgerissen wurde, zeigt den dringenden Handlungsbedarf für das Denkmalamt. Die Angst, dass sich unser burgenländisches Städtchen in eine Wiener Satellitenstadt verwandelt, ist derzeit besonders groß, mehrmals die Woche erreichen besorgte Anrufe und Nachrichten die BVZ. Baukonzerne freuen sich, die entstehenden Wohnungen gehen zu Wiener Preisen weg wie warme Semmeln – und nur selten an Eisenstädter. Der Stadt sind bei Privatverkäufen teilweise die Hände gebunden. Die andere Seite: Baugesetze haben immer Interpretationsspielraum. Dieser muss zugunsten der Eisenstädter, nicht der Baukonzerne ausgelegt werden.