Du bist der Stadtplan!

Über die vergessene Kunst des Miteinander Redens.

Erstellt am 07. Oktober 2021 | 03:03

Der Facebook-Stillstand hat uns ein Grundproblem moderner Kommunikation vor Augen geführt: Wir reden nur noch, hören aber nicht mehr zu – schon gar nicht wenn es um die Meinung anderer geht, die filtert Facebook ja praktischerweise raus und spielt Selbstbestätigendes ein.

In Eisenstadt wurde Gegenteiliges ausprobiert: Man setzte Bürger unterschiedlicher Altersgruppen zusammen, um über die Stadt zu reden. Jeder konnte kommen (außer Politik- und Medienvertreter), das ergab ein buntes Stimmungsbild unterschiedlicher Meinungen. Den Stadtplanern kommt nun die spannende Aufgabe zu, diese zu filtern.

Einer von ihnen erzählte der BVZ von einer Bitte einer älteren Dame: Das Kopfsteinpflaster vor dem Kulturzentrum sei für ihre alten Knöchel schmerzhaft zu gehen. Ob man da denn nicht einen mit breiteren Steinen ausgelegten Pfad errichten könnte? Eine einfache Lösung, die einer alten Dame den Museumsbesuch erheblich erleichtert. Das ist die Kunst des Miteinander-Redens. „Im Studium setzten wir Studenten einen Tag in einen Rollstuhl, damit sie die Welt mit diesen Augen sehen“, erzählte selbiger Stadtplaner. Andere Sichtweisen bereichern manchmal eben das Leben aller.