Einfach mal den Experten glauben. Über Experten und jene, die sich für Experten halten

Von Peter Wagentristl. Erstellt am 29. Juli 2021 (05:43)

Wenn auf einem Schild steht „Tiere nicht füttern!“ gibt es zwei Optionen: Entweder man ignoriert es („Was soll schon passieren“?) oder man hält sich daran („Wird schon einen Grund haben.“). Ersteres kann aber böse ins Auge gehen — wie man etwa in Schützen sieht. Dort ignorierten Wanderer die Warnschilder und gaben den Schafen Obst und Brot. Nun sind zehn Tiere tot.

Wir Menschen (oder sind es nur die Männer?) neigen dazu, uns zu überschätzen: erklären Ärzten, wie Viren und Impfungen funktionieren, Frauen, was Belästigung ist und kennen uns besser mit Tieren aus als Hirten und Bauern. Das ist nicht nur ziemlich arrogant, sondern kann sogar tödliche Folgen haben.

Einen regelrechten Shitstorm erntete etwa Skilegende Marcel Hirscher, weil er — trotz der Mahnungen, man möge die Tiere in Ruhe lassen — ein Selfie mit einer Kuh gepostet hat. Die Empörung war groß, viele Großstädter erklärten (dem auf einer Alm aufgewachsenen) Skistar, wie man mit Kühen umzugehen hat. Absurd!

Vielleicht sollten wir es lieber mit Sokrates („Ich weiß, dass ich nichts weiß“) halten, als zu glauben, wir hätten die Weisheit mit dem Löffel gefressen — natürlich ohne dabei auf kritisches Denken zu verzichten.