Schulweg als Lieferservice. Über elterliche „Bärendienste“.

Von Markus Wagentristl. Erstellt am 04. September 2019 (04:48)

„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr“, heißt ein Sprichwort. Wem die Mama jeden Sonntag das Schnitzerl zum Tisch bringt, wird irgendwann recht blöd neben der Lebensgefährtin stehen, wenn es darum geht, ihr beim Kochen zu helfen.

Ja, sich ehrlich zu sein ist mitunter recht unangenehm. Vor allem wenn man’s nicht bös‘ meint.

Sein Kind in die Schule zu führen ist so ein Beispiel. Wirklich gut gemeint, sehr engagiert, und welches Kind wird nicht gern von Mama/Papa in die Schule geführt?

Aber was sind die Folgen? Der Eisenstädter Verkehr kollabiert allmorgendlich. Unnötige Abgase kommen in Lungen und Atmosphäre. Die soziale Erfahrung mit anderen Kids am Schulweg geht verloren. Und vor allem: Den Kindern wird Bewegung abtrainiert, fast jedes fünfte Kind im Burgenland ist fettleibig. Das ist der schlechteste Wert in Österreich.

In England wird gerade eine Schule so gebaut, dass das Absetzen der Kinder direkt vor der Schule unmöglich gemacht wird.

Das ist schon sehr drastisch. Besser wäre es, wir helfen Hänschen zu lernen, anstatt Hans zu etwas zu zwingen. Aber die Chance zu lernen, die braucht Hänschen.