Viele Glashäuser, viele Steine. Über die Mega-Bauten am Neusiedler See.

Von Markus Kaiser. Erstellt am 01. Juli 2021 (02:21)

Wer vom ungarischen Südufer des Neusiedler Sees nach Podersdorf oder Rust blickt, kann schon mal neidisch werden. Allein die beiden See-Aushängeschilder zählen gemeinsam über eine halbe Million Nächtigungen. Dass man ähnliches auch in Fertörakos versucht, ist verständlich. Aber (und das gilt für Großbauprojekte auf beiden Seiten): Unser See ist eben nicht der Wörthersee, er taugt nicht zur Überdrüber-Kommerzialisierung. Sein Wasser muss man mögen, die vielen Gelsen verjagen, den Umweltschutz respektieren, die mäßige Verkehrsanbindung auf sich nehmen. Wer trotz dieser Beschwerlichkeiten zu uns an den See kommt, der will nicht Ballermann, der will Puszta, Wein, Kulinarik, Volksgruppenmusik, Radfahren und Bootfahren.

Das versteht ein gewisser Schlag an Menschen (der nicht umsonst im Volksmund „die Großkopferten“ genannt wird) nicht. Die glauben, ihr Tourismuskonzept vom Ballermann auf den Neusiedler See umlegen zu können. Das schadet dem See, das schadet unserer Natur und Kultur.

Uns bleibt der Schaden, die Großkopferten ziehen weiter zum nächsten See. Gegen diese Art von Gelsen hilft nur ein gesundes pannonisches Selbstbewusstsein: Was wir haben, ist schön, im Einklang mit Natur und Kultur und soll auch so bleiben.