Wer tut sich das noch an?. Über Nachwuchs-Sorgen in der Lokalpolitik.

Von Markus Wagentristl. Erstellt am 03. September 2020 (03:45)

In ihrem Abschieds-Interview sprechen die scheidende Eisenstädter Vizebürgermeisterin Lisa Vogl und ihre Klubobfrau Beatrix Wagner ein großes Problem in unserer Demokratie an: Es ist immer schwerer, sich in der Politik zu engagieren.

Das hat oft berufliche Gründe: Die Zeiten sind vorbei, in denen um Punkt 16 Uhr ausgestempelt wurde und die Freizeit – und damit Zeit für die Gesellschaft – begann. Auch der Arbeitsdruck wird immer höher. Sich spontan vom Arbeitsplatz zu verabschieden, um etwa einem Spatenstich beizuwohnen, wird immer schwerer.

Dazu kommt, dass die Tätigkeit gerade auf lokaler Ebene nicht bezahlt, aber dennoch viel Arbeit– und oftmals auch viel Ärger – ist: Bundespolitiker müssen den verärgerten Wählern nicht jeden Sonntag in der Kirche oder am Fußballplatz in die Augen schauen, in der Lokalpolitik sieht man sich fast täglich.

Jungpolitiker berichten, dass die meistgestellte Frage an sie „Warum tust du dir das an?“ lautet. Das Gemeindeleben kann aber nur funktionieren, wenn diese Frage eher „Wie kann ich helfen?“ lautet. Unseren Respekt verdient die Tätigkeit nämlich sehr wohl.