Ballzauberer auf die Bühne. Über die Zukunft des klassischen Regisseurs.

Von Martin Plattensteiner. Erstellt am 16. April 2020 (01:56)

Maradona aus Eisenstadt – diesen Spitznamen verpasste man ihm bei Rapid Wien. Dabei war Horst Steiger ein Neutaler und trug bei den Grün-Weißen die Rückennummer 20. Am Platz eine technische Legende, abseits des Rasens ein lustiger Kumpel und Lebemensch: Der vor 25 Jahren tödlich verunglückte Ballzauberer wäre in der Vorwoche 50 Jahre geworden. Hätte ein Kicker seines Stils heute eine Chance als Profi?

Punkto Schnelligkeit ganz sicher, auch seine herausragende Technik würde jeder Trainer bestaunen. Aber würde er in ein taktisches Korsett passen? Stichwort 4-1-4-1, 4-2-3-1, 4-4-2, 3-4-3, et cetera. Gepaart mit Steigers Sturkopf müsste ihn ein Coach wohl erst abschleifen, was Ecken und Kanten in Bezug auf den begnadeten Umgang mit der Kugel betrifft. Das ist schade. Denn so schlecht war die damalige Hackordnung gar nicht. Die vier in der Abwehr wurden vom Libero dirigiert, holten verlorene Bälle zurück. Auf den Seiten ging die Post ab, vorne trafen zwei Goalgetter. Und im Mittelfeld gab es einen Boss, der brillierte, trickste und klug die Bälle verteilte. Was bleibt? Der Wunsch, weiterhin auf die technische Ausbildung zu setzen, aber auch mehr Freiheiten für jene Dribblanskis, die uns immer mehr abhandengekommen sind. Und von denen wir aber stets so schwärmen.