Wimpassinger Roland Verant: „Freunde bauen Molotowcocktails“

Erstellt am 03. März 2022 | 05:59
Lesezeit: 3 Min
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Vor Jahren auch gemeinsam vor Ort. Roland Verant (r.) und Partner Patrick Wimmer. Foto: BVZ
Foto: BVZ
Der langjährige Tschernobyl-Kenner Roland Verant aus Wimpassing bangt um seine Freunde in der Ukraine und startet eine Hilfsaktion.
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Seit mittlerweile zehn Jahren zieht es den Wahl-Wimpassinger immer wieder in die Ukraine, genauer gesagt in die Sperrzone beim Atomkraftwerk Tschernobyl: „Das hat sich so ergeben, das ist einfach ein Interesse von mir.“ Zuletzt hat er dort im vergangenen November eine Gruppe von Touristen geführt. Dass nur wenige Monate später hier Krieg herrschen könnte, war für ihn unvorstellbar.

„Die Männer mussten sie an der Grenze zurücklassen, da nur alte Männer die Ukraine verlassen dürfen. Was mit ihnen passiert, weiß keiner.“
Tschernobyl-Kenner Roland Verant

Mittlerweile habe die Realität die vielen Freunde, die er vor Ort gewonnen hat, leider eingeholt. Einer davon, gebürtiger Brite, sei auf der Flucht und „steckt jetzt mit seiner ukrainischen Frau in Polen fest.“ Zwei Bekannte seien mit den Kindern nach Tschechien geflüchtet: „Die Männer mussten sie an der Grenze zurücklassen, da nur alte Männer die Ukraine verlassen dürfen. Was mit ihnen passiert, weiß keiner.“

„Die Journalisten haben gemeint ,Du musst kommen, da passiert etwas‘, aber Nikolaj wollte nur seine Familie in Sicherheit bringen.“ Roland Verant

Ganz besonders sorgt sich Verant aber um einen seiner besten Freunde in der Ukraine: „Nikolaj ist einer der größten Reisebüroveranstalter in Kiew und hat zuletzt Journalisten der deutschen ,Welt‘ betreut. Dann ist er plötzlich vom Geräusch von Explosionen munter geworden. Die Journalisten haben gemeint ,Du musst kommen, da passiert etwas‘, aber Nikolaj wollte nur seine Familie in Sicherheit bringen.“

Mittlerweile sei der Freund mit Frau und fünfjährigem Sohn bei den Eltern in der Westukraine. „Dort gibt es noch keine Kämpfe, wie er mir in einem Zoom-Call erzählt hat. Aber er ist überzeugt, dass das nicht so bleiben wird. Nikolaj leitet dort jetzt eine örtliche Bürgerwehr, sie sind dabei, Straßensperren vorzubereiten und sammeln leere Flaschen, um Molotowcocktails zu bauen. Ich hätte nicht gedacht, dass Freunde von mir so etwas einmal tun müssen.“

Nikolaj sei angesichts der Lage sehr gefasst, schildert Verant: „Ich kenne die Ukrainer recht gut, sie gehen lieber bis zum letzten Mann unter als aufzugeben. Bei uns haben wir Frieden als gegeben hingenommen, die Ukraine ist Schwierigkeiten gewohnt.“

„Wir wissen von ihnen, was gebraucht wird.“

Gemeinsam mit seinem Mann Patrick Wimmer startet Verant nun einen Spendenaufruf, um Freunden vor Ort zu helfen: „Wir wissen von ihnen, was gebraucht wird.“ Die Liste reicht von Hygieneartikeln über Dosenlebensmittel bis hin zu Schlafsäcken.

Die Hilfsgüter können am 9.3. (9 bis 16 Uhr), 11.3. (17 bis 22 Uhr), am 13.3. (10 bis 18 Uhr) und am 14.3. ( 9 bis 22 Uhr) am Ulmenweg 10 vorbeigebracht oder im örtlichen „Nah&Frisch“-Laden gekauft werden, wo sie gesammelt und dann den Initiatoren übergeben werden. In weiterer Folge sollen die Spenden nach Traiskirchen gebracht und dann von einer befreundeten Firma an die polnisch-ukrainische Grenze transportiert werden.

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