Streit um Regionalbus in Eisenstadt. Im August wurde Eisenstadts Stadtbus-System auf Nachbargemeinden ausgeweitet. Die Bilanz sorgt nun für Kritik.

Von Markus Wagentristl. Erstellt am 16. Oktober 2019 (05:47)
BVZ, zVg SPÖ
SPÖ-Verkehrssprecher Wolfgang Sodl (rechts) krisiert die Regionalbus-Aktion – sehr zum Ärger von Michael Bieber (ÖVP, links). Fotos: BVZ, zVg SPÖ

In den letzten beiden August-Wochen wurde Eisenstadts Stadtbus im Zuge eines Pilotprojektes zum Regionalbus. Wie die BVZ berichtet hatte, fuhr in diesen Tagen der Stadtbus auch Schützen, Oslip und St. Margarethen an.

SPÖ-Verkehrssprecher Wolfgang Sodl kritisiert nun die Bilanz des Projekts: 1.200 Fahrgäste wurden gezählt, im gleichen Zeitraum seien 1.500 Fahrgäste in Eisenstadt selbst Stadtbus gefahren. Bei Projektkosten von 10.000 Euro seien das zu wenige, so Sodl. Er gibt dem Projektmanagement die Schuld: „Bevor ich eine neue Linie einrichte, muss zunächst der Bedarf erhoben werden. Das ist in diesem Fall offensichtlich nicht geschehen, denn schon bisher gibt es etwa von 6.22 bis 8.22 Uhr von Schützen am Gebirge nach Eisenstadt sieben Verbindungen per Bus oder Bahn“, so Sodl und schließt: „Ein eigentlich gutes Stadtbus-Projekt wurde von Steiner für politisches Kleingeld zum Geisterbus gemacht.“

Im Eisenstädter Rathaus sieht man das freilich anders: Dort bezeichnet man die Bilanz Sodls als „Miesmacherei“ eines Erfolgsprojektes, betont ÖVP-Klubobmann Michael Bieber und erklärt die über die reinen Zahlen hinausgehenden Hintergründe des Pilotprojekts: „Einerseits ging es dabei darum zu prüfen, wie eine Streckenführung in Umlandgemeinden funktionieren kann, um eine Einbindung in das Stadtbussystem zu ermöglichen. Andererseits war uns die Meinung der Fahrgäste wichtig. Hier sind extrem positive Rückmeldungen eingegangen. Auf Basis dieser Erfahrungen können wir an einer Ausweitung des Stadtbussystems weiterarbeiten.“

Partnergemeinden: Darf‘s bisserl mehr sein?

Wie die BVZ berichtet hatte, wurde das Projekt von Anfang an von Lob, aber auch Kritik begleitet. Während sich die Bürgermeister der drei Partner-Gemeinden freuten, war der damalige Hauptkritikpunkt die Auswahl der Projektpartnergemeinden.

Dass es sich ausschließlich um ÖVP-dominierte Gemeinden handelte, kritisierten Thomas Schnöller von der FPÖ („Sind andere nicht anfahrwürdig?“) und Lisa Vogl von der SPÖ („Warum nicht zum Bahnhof nach Müllendorf?“) unisono.

SPÖ-Gemeinden seien erst gar nicht gefragt worden. Die Stadtgemeinde Eisenstadt widerspricht damals wie heute: Man habe E-Mails an alle Umland-Gemeinden geschickt, aus Müllendorf, Großhöflein und Trausdorf kamen aber sofort Absagen, hieß es aus dem Büro Steiners.