Grußbotschaften zu Martini. Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics und Landeshauptmann Hans Niessl zum Tag des Landespatrons.

Erstellt am 11. November 2017 (10:39)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Landeshauptmann Hans Niessl und Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics
zVg

Begeistert euch! Engagiert euch!

„Ich habe einen Traum“, einen Traum von einer gerechteren, besseren Welt: Mit diesen Worten begeisterte ein berühmter Martin des 20. Jahrhunderts – der Pastor und Friedensnobelpreisträger Martin Luther King – Millionen von Menschen in ihrem Engagement für soziale Gerechtigkeit und Mitmenschlichkeit. Wovon träumen Sie, liebe Leserinnen und Leser der BVZ?

Wenn ich in diesen Wochen die Zeitungen lese und die mediale Berichterstattung über den Zustand unserer Welt verfolge, dann überkommt mich gelegentlich die Versuchung, den uralten Traum von einer gerechteren Welt als utopisches Fantasieprodukt, als psychologisches Trostpflaster zu sehen. Vermutlich geht es vielen von Ihnen ähnlich. Doch rasch besinne ich mich jedes Mal eines Besseren: dass der Einsatz für eine bessere Welt eine Notwendigkeit ist für ein eigenes sinnvolles Dasein in eben dieser Welt.

Dass dieses Notwendige wirklich, gegenwärtig und wahr werden kann, darauf finden wir gerade für das hyperkomplizierte Leben im 21. Jahrhundert bei einem anderen Martin Antwort: dem heiligen Martin von Tours, hier in der pannonischen Ebene vor knapp 1700 Jahren zur Welt gekommen. Unser Landes- und Diözesanpatron Martin ist nämlich alles andere als ein gefälliger „Gansl-Patron“ für die Gastronomie. Der Landesfeiertag legt es nahe, sich diesen Menschen als das vor Augen zu führen, was er wirklich war: kein weltfremder Frömmler, auch kein Gotteskrieger oder verblendeter Dschihadist, sondern ein von innen heraus in Nächstenliebe Brennender, der den Traum von einer besseren, gerechteren Welt selbst lebte und dadurch weit in die Zukunft deutete. Sein Leben ist eine Anleitung, wie wir gerade heute den Wunden einer politisch, ökonomisch und ökologisch blutenden Welt begegnen können, um sie ein Stück besser zu machen.

Dazu gehören drei Martini-Impulse, die ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, heute mit auf den Weg geben möchte:

- Martini-Impuls Nummer 1: Lernen wir, wie Martinus, in einer lauten Welt, die uns mit ihren speziellen Heilsversprechungen von Macht und Besitz zu manipulieren versucht, zu mehr Ruhe, Einkehr und Besinnung zu gelangen.

P.S.: Sollten Sie dabei plötzlich in ein leidenschaftliches inneres Zwiegespräch mit einem unbekannten Gegenüber geraten, haben Sie keine Angst: Es handelt sich um ein Gebet! Seien wir dabei bewusst altmodisch, „retro“ ist „in“: Erforschen wir wieder mal öfters unser Gewissen und erkennen wir dabei, dass die Veränderung der Welt nicht bei den Politikern, sondern nur bei uns selber und der eigenen Umkehr beginnen kann!

- Martini-Impuls Nummer 2: Lernen wir, wie Martinus, tief in die eigenen Bedürfnisstrukturen hineinzuhören und das Notwendige vom Verzichtbaren zu unterscheiden. Klammern wir uns nicht an gewohnte Denk- und Verhaltensweisen, wo diese nicht mehr aufrechtzuerhalten sind, sondern erkennen wir in den Herausforderungen, die die gesellschaftlichen Umbrüche mit sich bringen, Gottes persönlichen Anruf an unseren Einsatz und an unsere Kreativität. Dann wird es gelingen, einen engagierten, ausbalancierten Lebensstil zu finden, der uns selbst und andere begeistert.

- Martini-Impuls Nummer 3: Lernen wir, wie Martinus, realistisch auf die Welt zu blicken und die Sorgen und Nöte anderer zu erkennen! Denn Mensch sein heißt, beschenkt zu sein mit der Liebe Gottes, die wir miteinander und füreinander teilen sollen. Die so genannten „Paradise Papers“ und andere nun veröffentlichte Dokumentationen der Steuerhinterziehungen von Superreichen zu Ungunsten gerade der Ärmsten – sie zeigen die „Hölle“ einer Geldgier, die maßlos geworden ist und die Menschen von sich selbst entfremdet hat.

Der Traum von einer gerechteren Welt währt so lange, so lange Menschen ihn träumen. Daher: Begeistert Euch! Engagiert Euch! Unser eigener Landes- und Diözesanpatron hat es uns vorgelebt!

Mit herzlichen Grüßen,

Ägidius Zsifkovics, Bischof von Eisenstadt