SPÖ-Sieg auf Kosten der FPÖ im Bezirk Eisenstadt

Es war ein Heimspiel für Thomas Steiner, aber noch mehr aber für Astrid Eisenkopf: Ihr gaben enttäuschte FPÖ- und LBL-Wähler ihre Stimme.

Markus Kaiser
Markus Kaiser Erstellt am 28. Januar 2020 | 15:56
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Die ÖVP hatte noch bei der Nationalratswahl im Herbst die SPÖ im Bezirk Eisenstadt Umgebung überholt. Das machte die Ausgangslage spannend und diese Spannung war unerträglich langanhaltend: Die Freistädter Eisenstadt und Rust sind waren eine der letzten bzw. sogar die letzte Gemeinde, die Ihre Zahlen der Wahlkommission schickte.

Rote Revanche ist geglückt

Diese Zahlen waren dann aber mehr als eindeutig, die SPÖ rund um Bezirksobfrau Astrid Eisenkopf aus Steinbrunn legte über sieben Prozentpunkte auf 46,5 Prozent zu, die Türkisen von Bezirksspitzenkandidat und Hornsteiner Bürgermeister Christoph Wolf blieben mit 32,7 Prozent (plus 2,0) überraschend klar dahinter.

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Die ÖVP konnte im Heimatbezirk von Landes-Spitzenkandidat Thomas Steiner zwar etwas mehr als im Landesdurchschnitt zulegen, der Abstand zur SPÖ ist aber dennoch deutlich.

Roter Sieg in vier Schlüsselgemeinden

Mehr als ein Viertel der 2.816 im Bezirk dazugewonnenen Stimmen der SPÖ kamen aus der Landeshauptstadt (siehe Analyse Seiten 22/23).

In Wimpassing erzielte die SPÖ das viertbeste Ergebnis landesweit: Ein Plus von 20 Prozenpunkten auf Kosten von ÖVP und vor allem FPÖ (minus elf Prozentpunkte) sorgten für fast 200 neue Stimmen für Astrid Eisenkopfs Bezirkspartei.

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Bezirksergebnis. Der Bezirk liegt im Landestrend, 5 Mandate ziehen über die Bezirksliste in den Landtag.
Bischof

Apropos Eisenkopf: In ihrer Heimatgemeinde Steinbrunn legte die SPÖ um 200 Stimmen zu und stieg von ohnehin schon hohen 29 auf 58 Prozent. Nahezu die gesamten FPÖ- und LBL-Verluste wanderten zur SPÖ.

Dass der Spitzenkandidat zumindest in dessen Heimatgemeinde ein gewichtiger Faktor ist, bewies Purbach: Während Franz Steindl als ÖVP-Spitzenkandidat 2015 hier noch 44 Prozent holte, waren es heuer nur 29,7 Prozent. Dast 300 Stimmen wanderten zur SPÖ.

Streit um A3 und Bahnhof kein Faktor

Kurz vor Jahreswechsel gingen die Wogen hoch in Großhöflein. Die SPÖ-Idee eines Zentralbahnhofes mit Einkaufszentrum sorgte für eine Bürgerversammlung und eine Gemeinderats-Sondersitzung mit explosiver Stimmung. Die ÖVP der bei diesem Thema sehr aktiven Vizebürgermeisterin Maria Zoffmann konnte hier zwar deutlich auf Kosten der LBL dazugewinnen (plus 12,6 auf 34,5 Prozent). Die SPÖ von Bürgermeister Heinz Heidenreich gewann aber ebenso und bleibt mit 41,6 Prozent klar Nummer eins.

Das Thema dürfte also ebenso wenig die Wahl beeinflusst haben, wie das Thema A3-Ausbau. In den betroffenen Gemeinden Siegendorf und Klingenbach legte die SPÖ von ohnehin hohen Niveaus auf rund 60 Prozent zu, in Siegendorf auf 48 Prozent.

Sechs Mandate aus Bezirk Eisenstadt

Auch in der kommenden Legislaturperiode bleiben Vertreter des Bezirks Eisenstadt Umgebung stark im Landtag vertreten: Die SPÖ entsendet Astrid Eisenkopf (Steinbrunn), Robert Hergovich (Trausdorf) und Rita Stenger (Siegendorf).

Bei der ÖVP hatte der Eisenstädter Bürgermeister Thomas Steiner als Spitzenkandidat einen Fixplatz, ebenso wie wie seine beiden Eisenstädter Landsleute Géza Molnár bei den Blauen und Regina Petrik bei den Grünen.

Auf der ÖVP-Bezirksliste holten außerdem Christoph Wolf (Hornstein) und Johannes Mezgolits (Donnerskirchen) die meisten Vorzugsstimmen, ihnen stehen daher die beiden Mandate der türkisen Bezirksliste zu.

Hartes Los für kleine Parteien

Außer die beiden Mandate für Molnár und Petrik gab es für die kleineren Parteien nichts zu holen. Die FPÖ fuhr in Großhöflein zwar das zweitbeste Landesergebnis ein (ein Plus von 1,1), unterm Strich stehen immer noch minus vier Prozentpunkten im Bezirksergebnis.

Die Grünen sind im Bezirk Eisenstadt traditionell am stärksten, hätten die FPÖ aber sicherlich gerne noch überholt.

Die hier einst starke LBL stürzt ins Bodenlose, Hauptgrund dafür ist die geschwächte Position in Großhöflein, wo man einst den Bürgermeister stellte.

Bei den NEOS scheiterte es sicherlich nicht am Einsatz, sondern Bekanntheitsgrad der Bezirkskandidaten.

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