Weinlese im Bezirk Eisenstadt: „Weniger als im Vorjahr“. Etwa die Hälfte des burgenländischen Weins ist bereits gelesen und die Winzer sind mit der Qualität zufrieden. Bei einigen Sorten gibt es jedoch bis zu 50 Prozent weniger Trauben.

Von Peter Wagentristl und Lisa-Marie Zehetbauer. Erstellt am 22. September 2019 (06:48)
Zehetbauer
Lese. Familie Liegenfeld bei der Weinlese in Donnerskirchen (Bild). Andres Liegenfeld senior (3.v.l.) ärgerte sich über die unrealistische Schätzung der Statistik Austria, die zu niedrigen Preisen führe. Auch in Eisenstadt ist die Lese bereits in vollem Gange. Foto: Zehetbauer/zVg Magdalenenhof Kaiser

Mittlerweile ist „Halbzeit“ bei der Weinlese und die heimischen Winzer ziehen ein erstes Resümee: „Gut die Hälfte der burgenländischen Trauben wurde mittlerweile geerntet. Dabei hat sich gezeigt, dass die Ernte um etwa 30 bis 40 Prozent geringer ausfallen wird als 2018“, erkärt Weinbaupräsident Andreas Liegenfeld.

Auch beim Weinbauverein St. Margarethen geht man von weitaus geringerem Ertrag als im Vorjahr aus. Gut ein Drittel weniger Wein werde es deswegen heuer geben, schätzt Obmann Ewald Gabriel.

Bei manchen Sorten, wie dem Zweigelt, trage der Jahrgang 2019 um die Hälfte weniger Trauben als die Ernte im Vorjahr. Andere Sorten, wie der Gelbe Muskateller, seien dagegen nicht betroffen. Die Gründe seien vielfältig, Gabriels Erklärung: „Der trockene Mai hat einigen Sorten sehr zugesetzt, anderen ist das egal bis zuträglich.“ Je nachdem sei der Jahrgang also für einige Winzer besser, für andere schlechter.

Ärgerlicher als der Rückgang bei der Menge — „das gibt es immer wieder, für solche Fälle muss man in besseren Jahren eben Reserven anlegen“ — ist für die Winzer jedoch der Preisverfall. Weinbaupräsident Liegenfeld sieht den Grund dafür auch in der seiner Einschätzung nach „unrealistischen“ Schätzung der Statistik Austria von rund 690.000 Hektoliter.

Preisverfall trotz hoher Qualität

„Es ist für mich nicht nachvollziehbar, wie es möglich ist, bereits Ende August eine Erntemenge für Österreich zu publizieren, wo vielerorts zum einen noch gar nicht gelesen wird und zum anderen in den Tagen bis zur Lese witterungstechnisch noch einiges dazu beitragen kann, die Ernte zu verringern“, so Liegenfeld. Gewinner seien dabei jene, „die von einem Überangebot am Markt profitieren, da dadurch fälschlicherweise ein niedriger Traubenpreis gerechtfertigt wird.“

In dieselbe Kerbe schlägt sein Kollege aus St. Margarethen. „Vor einigen Jahren hat man teilweise noch über einen Euro für den Kilo Trauben bekommen, heuer sind es teilweise nur 30 Cent.“ Der Preisverfall setzte vor allem den kleineren Winzern zu. Das führe sogar so weit, dass einige ihren Weingarten aufgeben und stattdessen für die wenigen Groß-Winzer arbeiten. „In St. Margarethen hatten wir vor 20 Jahren noch 920 Hektar Weinbau-Fläche. Heute sind es nur noch 280“, so Ewald besorgt. Nur etwa die Hälfte der 30 Mitglieder des Weinbauvereins St. Margarethen sei noch hauptberuflich im Weingarten tätig.

Zehetbauer/zVg Magdalenenhof Kaiser
Auch in Eisenstadt ist die Lese bereits in vollem Gange. Foto: zVg Magdalenenhof Kaiser

Im Vorjahr gab es bereits ähnliche Diskussionen, der Preis schoss trotz hoher Qualität in den Keller, da es eben zu viel gute Trauben und Wein am Markt gab. Das Mengen-Argument zieht für Liegenfeld und seine Winzerkollegen heuer aber nicht. „Die weitestgehend gesunden Trauben weisen ein ideales Säure – Zuckerverhältnis auf – es ist mit einem Topweinjahrgang 2019 zu rechnen, der viel Trinkvergnügen bereiten wird. Umso trauriger ist es, dass sich die Preise für so hochwertiges Traubenmaterial weiterhin in einer Höhe bewegen, die es unmöglich macht, kostendeckend zu wirtschaften. Es ist damit zu rechnen, dass aufgrund dieser aussichtlosen Situation wieder etliche Traubenproduzenten ihre Weingärten roden.“

Erfreulicher als Preis und Menge ist heuer dafür die Qualität. „Alle 9er Wein-Jahrgänge sind herausragend: 89, 99, 09, und jetzt 2019“, scherzt Liegenfeld. Fast schon vorfreudig fällt er sein Urteil: „Knackige Säure und Frucht ohne Ende. Wenn es noch zwei Wochen so weitergeht erwarten uns große Weine.“ Generell soll das Burgenland in diesem Jahr eine Sonderstellung einnehmen – nicht zu viel Niederschlag, so wie in der Steiermark, nicht zu wenig Regenfälle, so wie in Niederösterreich und zu guter Letzt war es nicht zu heiß, so wie es im Weinviertel der Fall war.

Der Zeitpunkt für die Lese liegt heuer — im Gegensatz zum rekordverdächtig frühen Jahrgang 2018 — wieder im Schnitt, in St. Margarethen sollen bis Anfang Oktober alle Trauben gelesen werden.