Neufeld: Sanochemia insolvent?. Am vergangenen Montag verkündete Sanochemia überraschend, einen Insolvenzantrag stellen zu müssen. Was bedeutet das für die 140 Mitarbeiter in Neufeld?

Von Markus Kaiser. Update am 11. Dezember 2019 (13:59)
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Noch offen. Das Werk in Neufeld ist derzeit noch offen, dessen Zukunft ist es zum Leidwesen der 140 Angestellten leider auch.
Franz Pfluegl

UPDATE Werner Frantsits verlässt Aufsichtsrat

Nachdem die börsennotierte Sanochemia Pharmazeutika AG am Montag ihre bevorstehende Zahlungsunfähigkeit bekanntgegeben hat, zieht sich der Firmengründer und Ex-CEO Werner Frantsits nun "aus gesundheitlichen Gründen" aus dem Aufsichtsrat zurück. Das teilte die Sanochemia am Mittwoch mit. Die Stelle im Aufsichtsrat wird vorerst nicht nachbesetzt.

Wir hatten berichtet:

Sanochemia Pharmazeutika AG, die ein Werk in Neufeld mit 140 Mitarbeitern betreibt, muss wegen bevorstehender Zahlungsunfähigkeit Insolvenz melden. In den nächsten Tagen wird ein dementsprechender Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beim Handelsgericht Wien eingehen.

Zukunft von 140 Arbeitsplätzen offen

Was bedeutet das für die 140 Mitarbeiter am Standort Neufeld? Dazu kann Torsten Biallas von der Deutschen Agentur b-communication, den die Wiener Sanochemia mit den Kommunikationsagenden betraut hat, auf BVZ Nachfrage noch nichts sagen. Erst müsse das Insolvenz-Verfahren regulär eröffnet werden. Und das kann noch etwas dauern.

Verunreinigung sorgte für Lizenz-Entzug

Der Grund für die „Liquiditätslücke“ sei die Einschränkung des GMP-Zertifikats (Good Manufacturing Practice): Seit April 2018 darf Sanochemia „White Label Produkte“, die man für Dritt-Firmen produziert hat nicht selbst herstellen. Es habe damals, so der Unternehmenssprecher, eine Verunreinigung gegeben. Diese sei nun behoben, müsse aber neu zertifiziert werden. Was ebenfalls noch dauert. Betroffen davon ist zwar nur die „Lohnproduktion“ und nicht die Herstellung eigener Human-Pharmazeutika, dennoch entstand eine „Lücke im Cashflow“.

Die nicht zu deckende Lücke im Cash Flow

Zwar läuft das Geschäft generell positiv: In den ersten neun Geschäftsjahresmonaten (Oktober bis Juni) setzte man 28,1 Millionen Euro um, nach 26,4 im Vorjahreszeitraum. Auch wurde die schlecht performende Veterinär-Sparte verkauft. All das reicht aber nicht, um die Finanzierungslücke zu überbrücken.

Auch die Hereinnahme externer neuer Investoren und eine Kapitalerhöhung durch den Kernaktionär 2019 konnten keine Trendwende schaffen: Da die vom Vorstand mit den größten Gläubigern geführten Sanierungsgespräche scheiterten, sei ein gerichtliches Insolvenzverfahren alternativlos, so das Unternehmen via Aussendung.

Politik sucht nach Lösungen

SPÖ Bezirksvorsitzende Astrid Eisenkopf betonte die wichtige Rolle der Firma als Arbeitgeber: „Auch wenn der Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in diesem Moment noch nicht gestellt ist, müssen wir nun alles Mögliche unternehmen, um die 140 Arbeitsplätze aufrechtzuerhalten.“

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BVZ

Für Bürgermeister Michael Lampel ist diese Nachricht ein Schlag ins Gesicht: „Sanochemia ist ein wichtiger, traditionsreicher Arbeitgeber für die Gemeinde Neufeld, aber vor allem für die Beschäftigten im Unternehmen. Für Gespräche stehen wir jederzeit bereit.“

„Nun gilt es alle konstruktiven Kräfte zu bündeln, um eine gute Lösung zu finden“, so Eisenkopf abschließend.

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„Müssen um Arbeitsplätze kämpfen“, Thomas Steiner (ÖVP).
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Auch ÖVP-Landesparteiobmann Thomas Steiner und Peter Fink, Neufelder Parteiobmann, geben sich kämpferisch: „Die überraschende Nachricht über den Insolvenzantrag der Firma Saniochemia, ist für die 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein schwerer Schlag. Wir müssen um diese Arbeitsplätze kämpfen. Das ist nicht nur für die betroffenen Familien wichtig, sondern für die ganze Region. Wir müssen im Burgenland alles daransetzen, dass wir Arbeitsplätze schaffen und nicht weitere verlieren. Sollte das Unternehmen dennoch nicht zu retten sein, sind unsere Erwartungen klar: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter brauchen eine Zukunftsperspektive und einen umfassenden Sozialplan.“