Neuer Bürgermeister in Purbach: Von der WEGA ins Rathaus

Erstellt am 22. Februar 2022 | 05:39
Lesezeit: 5 Min
440_0008_8286577_eis07wp_martin_horak.jpg
Neu im Amt. Bürgermeister Martin Horak übernahm kurz vor Weihnachten das Amt von Vorgänger Richard Hermann. Heuer wartet bereits der erste Wahlkampf auf den „zuagroasten“ WEGA-Zugsführer.
Foto: Wagentristl
Martin Horak leitet seit knapp zwei Monaten die Geschicke der Gemeinde Purbach. Die BVZ bat ihn zum Interview.
Werbung
Anzeige

Kurz vor Weihnachten übernahm Martin Horak das Bürgermeisteramt von seinem Vorgänger Richard Hermann. Den „zuagroasten“ Polizeibeamten führte die Liebe nach Purbach — wo er sich auf Anhieb auch in die Gemeinde verliebte, die er nun führt. Die BVZ sprach mit dem Neo-Ortschef über die anstehenden Gemeinderatswahlen, was Polizisten und Politiker gemein haben und welche Projekte in nächster Zeit auf ihn warten.

BVZ: Sie sind nun seit knapp zwei Monaten im Amt. Welche Projekte haben Sie von Ihrem Vorgänger „geerbt“, welche Themen müssen Sie nun als erstes angehen?

Martin Horak: Ein wichtiger Punkt ist der Kindergarten. Die Stadt wächst stetig— mittlerweile haben wir knapp 3.000 Einwohner mit Hauptwohnsitz. Dementsprechend müssen auch die Betreuungsstätten angepasst werden. Unsere Volksschule ist schon ziemlich ausgelastet, der Kindergarten ohnehin. Aktuell sind wir dabei, um drei Millionen Euro einen neuen Kindergarten zu bauen. Die Arbeiten sind schon weit fortgeschritten, nach Fertigstellung übersiedelt der Kindergarten vom alten Gebäude in den benachbarten Neubau. Den alten werden wir anschließend sanieren und dort die Krippe und zusätzliche Kindergartengruppen unterbringen.

BVZ: Wie steht es um die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde?

Horak: Im Industriegebiet hat sich einiges getan in den vergangenen Jahren. Begonnen hat diese Entwicklung unter meinem Vorgänger. Das ist schon ein beachtliches Areal, das dort für Gewerbe zur Verfügung steht. Wir sind aber natürlich auch eine touristische Gemeinde. Dank der geografischen Aufteilung mit dem Industriegebiet am Rand und dem touristisch genutzten Zentrum mit historischer Altstadt und Kellergassl steht die Gemeinde auf zwei gesunden Standbeinen.

BVZ: Zwischen diesen zwei Bereichen eine Balance zu finden und zu halten, ist vermutlich nicht immer einfach..?

Horak: Absolut. Beim Ausbau der Austrotherm — es ist der Radweg daneben, das Ortsbild soll dadurch nicht beeinträchtigt werden — haben wir uns daher auf Landschaftsschutzmaßnahmen mit Erdwall und Begrünung als Sichtschutz verständigt. Das soll verhindern, dass die rosa Dämmplatten das Landschaftsbild stören. Ich glaube, hier haben wir eine gute Lösung gefunden.

BVZ: Als Seegemeinde ist Purbach von den Plänen des Landes – vom Donau-Zufluss bis zur Schlamm-Gesellschaft – betroffen. Wie stehen Sie zu diesen Projekten?

Horak: Da wir den Donau-Zufluss wohl nicht verhindern können, sind wir nun einmal neugierig, wie sich das Projekt entwickelt. Die ganze Region lebt vom See. Andererseits betonen Naturschützer, dass der See regelmäßig austrocknet und dies eben Teil des Kreislaufes sei. Allerdings, wenn er zehn Jahre austrocknet, wird es mit dem Tourismus schwierig werden. Hier gilt es einen Kompromiss zwischen wirtschaftlichen Interessen und Umweltschutz zu finden. Die Schlamm-Gesellschaft sehe ich generell positiv, was die Kosten angeht, sind aber noch Fragen offen. Am sinnvollsten erscheint es mir, die Kosten für die Gemeinden nach der auszubaggernden Schlammmenge festzulegen.

BVZ: In Ihrer Nachbargemeinde sind Photovoltaik-Freiflächenanlagen geplant. Wie stehen sie zu diesen Vorhaben von Land und Energie Burgenland, gibt es in Ihrer Gemeinde ähnliche Pläne?

Horak: Wir setzen auf PV-Anlagen auf öffentlichen Gebäuden. Für hektargroße Anlagen auf Freiflächen kann ich mich eher wenig begeistern.

BVZ: Hinter vorgehaltener Hand wird im Ort über Pläne der Gemeinde und der Esterhazy Stiftung als Grundeigentümer am See gemunkelt. Die Rede ist von einem Chaletdorf. Ist an den Gerüchten etwas dran?

Horak: Das ist richtig. Wir sind mit Esterhazy in Verhandlungen, da es natürlich für uns interessant ist, sich touristisch weiterzuentwickeln. Wir wissen allerdings, dass wir mit der Nachbargemeinde Breitenbrunn, die einen sehr großen Segelhafen hat, nie konkurrieren können. Unser Fokus liegt daher auf Naturverbundenheit. Wir haben viele Kanutouren durchs Schilf – in diese Richtung wollen wir gehen. Beim Freibad und Hafengelände ist die Gegend nicht wirklich touristisch erschlossen. Im Zentrum gibt es ein gutes Kulturangebot, unten am See ist allerdings noch viel Luft nach oben.

BVZ: Kaum ein Thema emotionalisiert so sehr wie Bauen und Wohnen. Wie ist Ihr Zugang zu Baukultur und Raumplanung?

Horak: Wir arbeiten gerade am Raumentwicklungskonzept mit unserem Büro. Fest steht: Der historische Ortskern soll so erhalten bleiben, neue Gebäude sollen sich ins Bild einfügen. Die Teilbebauungspläne wollen wir allerdings vereinheitlichen, damit in allen Gebieten die gleichen Bedingungen herrschen. Das ist nur fair.

BVZ: Abschließend ein Ausblick auf die Gemeinderatswahlen: Haben Sie ein deklariertes Wahlziel? Wie werden Sie den Wahlkampf anlegen?

Horak: Das Ziel ist die Wahl zu gewinnen. Der Herausforderer ist stark, das ist bekannt. Aber ich bin wirklich gerne Bürgermeister und bin so viel es geht bei den Menschen. Ich bin es von meiner Arbeit als Polizist gewöhnt, mir Probleme von allen Seiten anzuhören und dann Lösungen zu finden. Das sehe ich als eine meiner Hauptaufgaben als Bürgermeister.

Werbung