Film-Kritik: ORF-Stadtkomödie "Curling für Eisenstadt". Zwei Arten von Eisenstädtern brauchen eine dicke Haut für diesen Film: Bürgermeister und Lokaljournalisten. Weil Ersterer diese bewies (Thomas Steiner: „Herrlicher Film!“), will die BVZ auch nicht so sein: „Curling für Eisenstadt“ ist ein wirklich sehenswerter Film.

Von Markus Wagentristl. Erstellt am 11. September 2019 (22:23)
Markus Wagentristl, BVZ
Thomas Steiner und Christoph Krutzler bei der Vorpremiere von "Curling für Eisenstadt"

Fast alle Szenen wurden in der Haydn-Stadt gedreht, nur Bowling-Bahn (Parndorf?), Therme (Frauenkirchen!) und schicki-micki Cocktailbar (Wien???) gibt es hier nicht. Auch bei den Schauspielern wurde auf Regionalität gesetzt: Adoptiv-Burgenländer Wolfgang Böck mimte den hart-aber-herzlichen Winzer-Papa (im Seewinkelhof des Weinguts Salzl in Illmitz), Christoph Krutzler brillierte als Geflügel-Händler mit wahrscheinlich infarktgefährdetem aber doch großem Herz.

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Curling für Wintertourismus-Werbung

Wieso eigentlich Curling? Weil mit Damen-Curling mangels Konkurrenz am einfachsten ein Turnier nach Eisenstadt zu holen ist, denkt sich Marketing- „Genie“ Vicki (gespielt von der sehr sympathischen Katharina Straßer). Ihr Curling wird ergänzt von drei mehr oder weniger guten aber durchwegs kuriosen Bekannten, gespielt von Marlene Morreis, Veronika Polly und Maddalena Hirschal. Finanziert wird der Spaß von Christoph Krutzler als Hendl-Kaiser, Esther Schweins ist die ost-Deutsche Trainerin mit west-Deutscher Gegenspielerin. Einen Gegenspieler aus Vickis Ex-Werbeagentur haben sie auch. Der schaut zugegeben noch blöder aus der Wäsch‘ als angesprochener Bürgermeister (reicher Machtmensch) und der Lokaljournalist (versoffener Schmierfink).

Schenkelklopfer und feine Klingen

Insgesamt ist tatsächlich für alle etwas dabei: Die schönen Seiten Eisenstadts werden ins Rampenlicht gerückt, die Blockbauten ausgepart, Alkoholismus dichtet man uns (anders als bei ORF-Landkrimis) keinen an, der Sieges-Spritzer ist aber obligat, die Menschen heißen Horvath und Grandits, die Bösen sind die (West-) Deutschen, die Backhendl sind ausgezeichnet. Und, wenn über Nacht eine Curling-Bahn aufgestellt wird, hat das der Hendl-Kaiser natürlich von „ein paar Ungarn“ erledigen lassen. Dass bei der Vorpremiere am Dienstag, 9. September, dieser Witz die meisten Lacher bekam, könnte zu denken geben. Aber dafür ist der Krutzler einfach zu sympathisch.

Sende-Info und Termin

Seit Dezember 2017 dreht der ORF auf die Landeshauptstädte zugeschnittene Komödien. Bereits an der Reihe waren Graz („Die Notlüge“), Wien („Herrgott für Anfänger“ und „Kebab extrascharf“), St. Pölten („Geschenkt“) und Klagenfurt („Harri Pinter, Drecksau“). 

„Curling für Eisenstadt“ ist in der ORF-TVthek noch bis 20. September abrufbar.