Keine Informationen über den Mega-Bau. In Mörbisch wurde über den geplanten Ausbau auf der ungarischen Seite des Sees diskutiert. Viele Details sind noch unklar.

Von Peter Wagentristl. Erstellt am 07. August 2019 (05:55)
zVg/cyberpress.hu

In Fertörakos auf der ungarischen Seite des Neusiedler Sees, wo bisher Ruhe herrscht und es nur wenige Badegäste hinverschlägt, soll ausgebaut und aufgewertet werden: Wie die BVZ berichtete, sind laut Anrainerinformationen im Schilfgürtel ein Vier-Sterne-Hotel, ein Motel sowie zwei Häfen und dazugehörige Parkplätze geplant.

Auch eine bessere Verkehrsanbindung soll dazu beitragen, dass Fertörakos sich zum Naherholungsgebiet und Touristenmagnet entwickelt — wie die NIF (ungarischer Autobahnbetreiber, Anm.) und der Bürgermeister von Mörbischs Nachbargemeinde bei einer Pressekonferenz in Ungarn verkündeten.

Offiziell ist aber vieles unklar, die ungarische Regierung und die Eigentümer — gerüchteweise soll es sich dabei um die Tochter von Ministerpräsident Viktor Orban handeln — hüllen sich in Schweigen. Nur Anrainer der Bucht in Fertörakos haben bisher schriftlich und teilweise telefonisch Informationen erhalten. Angeheizt wird die Gerüchteküche in erster Linie durch fehlende Kommunikation der zuständigen Stellen.

Naturschutz. Wolfgang Pelikan, Vorsitzender des RAMSAR-Komitees.
BVZ

Um Informationen zusammenzutragen und möglicherweise Licht ins Dunkel zu bringen, lud das RAMSAR-Komitee des Umweltbundesamtes zu einem „grenzübergreifenden Gespräch“ in die Andreas Csarda in Mörbisch. Das RAMSAR-Komitee ist für die Einhaltung des „Übereinkommens über Feuchtgebiete, insbesondere als Lebensraum für Wasser- und Watvögel, von internationaler Bedeutung“ zuständig.

Wolfgang Pelikan, Vorsitzender des nationalen RAMSAR-Komitees und Lektor an der Universität für Bodenkultur in Wien, sparte nicht mit Kritik an den Bauplänen, die — abgesehen von der politischen Dimension — auch für Umwelt- und Tierschutz eine Katastrophe seien.

Organisator Wolfgang Pelikan sieht den RAMSAR-Naturschutz-Status in Gefahr: „Wenn die Pläne wie bisher bekannt umgesetzt werden, werden wir voraussichtlich auf die Rote Liste gesetzt. Dann würde die ganze Welt nach Fertörakos und auf den Neusiedler See schauen.“

Bei der Diskussion anwesend waren auch Experten und Anrainer wie der Präsident des Yachtclubs Fertörakos, Hüttenbesitzer in der ungarischen Bucht oder ein Zoologe aus Györ. Beide äußerten Bedenken über die geplante Dimension.

Zu viel Verkehr, zu wenig Platz am See

Der Segler-Chef wies auf Nachfrage etwa darauf hin, dass der ungarische Teil des Sees gerade einmal Platz für 20 bis 30 Segelboote bietet. Geplant seien in Fertörakos aber bis zu 800 Bootsplätze. Anrainer berichteten von einem erwarteten Verkehrsaufkommen in Fertörakos von 8.000 Autos pro Tag.

„Um diese Zahlen in Relation zu setzten“ brachte Seebad Mörbisch-Geschäftsführer Michael Bacher die Verkehrszählung im Jahr 2017 ein: „Wir haben 30.000 in neun Tagen gezählt, inklusive Premiere.“ Pro Tag ergibt das etwa 3.330 Autos in der verkehrsintensivsten Woche des Jahres, in Ungarn will man mehr als doppelt so viele Autos anziehen — jeden Tag.

Offizielle Auskünfte von ungarischer Seite gibt es bisher fast keine, auch an die offiziellen, zuständigen Ämter in Österreich. So blieben etwa Anfragen des RAMSAR-Komitees, des Bundesumweltamtes, UNESCO Österreich oder auch der BVZ unbeantwortet. Besonders pikant: Die Bitte von Wolfgang Pelikan und dem Land Burgenland um Einsicht in die Gutachten, die etwa auch den Einfluss auf Nachbargemeinden behandeln müssen, sei lakonisch beantwortet worden: „Es werden keine Auswirkungen auf Österreich erwartet“, so die Rückmeldung.

Ob sich die Aufwertung in Fertörakos positiv oder negativ auf Mörbisch auswirkt, dazu gehen die Meinungen in Bevölkerung, Politik, Gastronomie und Tourismus auseinander. Einig ist man sich aber überall: Es wird sicher nicht, wie behauptet, „keine Auswirkungen“ auf Mörbisch haben.

Auch beim Verkehr bleibt die weitere Richtung unklar: Während Bürgermeister Markus Binder (ÖVP) sich eine Öffnung der Grenze für Autos vorstellen kann, widersprach SPÖ-Gemeindevorständin Bettina Zentgraf am Rande der Veranstaltung der Einschätzung des Ortschefs: „Da bin ich nicht seiner Meinung.“