Freund der Tochter Lektion erteilt: Prozess in Eisenstadt

Erstellt am 17. April 2022 | 06:23
Lesezeit: 3 Min
Gericht Eisenstadt Justizzentrum Eisenstadt Burgenland Prozess Urteil Symbolbild
Ort des Prozesses: Das Justizzentrum Eisenstadt.
Foto: Werner Müllner
Zwei Männer rückten im Bezirk Eisenstadt aus, um den vermeintlichen Peiniger einer Jugendlichen zu maßregeln. Dieser erstattete Anzeige.
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Fotos von blauen Flecken hatte eine Jugendliche ihrem 45-jährigen Vater gezeigt. Ihr 17-jähriger Freund soll für die Misshandlungen verantwortlich gewesen sein.

Der 45-Jährige verabredete sich daraufhin am 27. Dezember des Vorjahres mit einem 38-jährigen Freund, um dem 17-Jährigen eine Lektion zu erteilen.

„Starke Probleme“ angedroht

Sie lockten den Jugendlichen zu einem Treffpunkt. Dort sollen sie den 17-Jährigen an den Armen gepackt und zu Boden geworfen haben.

Laut Anzeige fixierten sie den Jugendlichen mit den Knien am Boden und drohten ihm Schläge und „starke Probleme“ an.

Sie forderten den 17-Jährigen auf, die Beziehung zur Tochter des 45-Jährigen zu beenden.

Später erstattete der 17-Jährige Anzeige bei der Polizei, wo eine Verletzung in der Mundhöhle des Opfers festgestellt wurde.

Die beiden Männer, die wegen Nötigung und Körperverletzung angeklagt wurden, bekannten sich nur teilweise schuldig.

„Meine Tochter hatte mir erzählt, dass sie verprügelt und sexuell belästigt worden ist“, sagte der Vater.

Zu zweit den Jugendlichen abgepasst

Zu zweit passten die Männer den Jugendlichen ab.

„Als er näherkam, war es schon fast so, dass er sich selber zu Boden legte“, behauptete der Vater.

„Hören Sie!“, ermahnte ihn die Richterin.

„Ich habe ihn an den Armen gepackt“, gab der Vater zu.

Er habe sich mit seinem Begleiter aber vorher ausgemacht gehabt, dass sie dem Jugendlichen „nicht wehtun“ würden.

„Wollten ihm nur ein bisschen Angst machen“

„Wir haben ihm nur ein bisschen Angst machen wollen“, sagte der 38-jährige Angeklagte. „Ich habe ihm die Bilder gezeigt und ihm gesagt, dass er sich schleichen soll“, sagte der Vater.

Der Jugendliche habe sich daraufhin entschuldigt und sei gegangen.

Verletzt hätten sie den 17-Jährigen „hundertprozentig nicht“. Vielmehr sei davon die Rede gewesen, dass dieser von seinem eigenen Vater schon öfter verprügelt worden sei.

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Richterin Karin Lückl befragte die beiden Angeklagten.
Foto: Kirchmeir

Die Mutter der Jugendlichen berichtete vor Gericht von Schwierigkeiten in der Beziehung ihrer Tochter mit dem 17-Jährigen. Dieser habe seine Freundin nicht nach Hause gehen lassen, ihr Handy und ihren Schlüssel versteckt.

Bezüglich der blauen Flecken habe sich die Tochter nur ihrem Vater anvertraut.

„Ich sagte, sie sollen bitte mit ihm reden. Einer Frau hört er nicht zu“, sagte die Mutter.

Der Vater des 17-Jährigen habe nach dem Vorfall gedroht, er werde mit fünf Männern auftauchen.

Jetzt sei ein Annäherungsverbot gegen den 17-Jährigen verhängt worden und die Tochter habe ihn auf allen Kanälen blockiert, berichtete die Mutter. Dennoch versuche der Jugendliche alles, um Kontakt mit seiner Ex-Freundin aufzunehmen.

„Sie traut sich nicht mehr, alleine wegzufahren“, sagte die Mutter. Der Prozess wurde vertagt, weil das Opfer, dessen Vater und ein Polizist als Zeugen befragt werden sollen.

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