Eisenstadt: Klage gegen's Rauchen – am eigenen Balkon. Streit um Tschick: Ein Nachbar will Ewald Paar per Klage das Rauchen verbieten – auf seinem eigenen Balkon. Die BVZ war vor Ort.

Von Markus Wagentristl. Erstellt am 14. August 2019 (04:37)
Wagentristl, BVZ
Raucher. Ewald Paar, 44, soll nicht mehr am Balkon rauchen

Im Juli flatterte dem völlig überraschten ehemaligen Postler Ewald Paar eine Klage ins Haus. Er und seine Lebensgefährtin Carmen sollen nicht mehr auf ihrem eigenen Balkon rauchen dürfen. Die Unterlassungsklage hatte ein Nachbar, der einen Stock diagonal über Herrn Paar wohnt eingereicht. Er will bezwecken, dass Paar und seine Freundin nicht mehr zwischen 22 und sechs Uhr am Balkon rauchen dürfen.

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Tatort. Herr Paar vor seinem Balkon (re. oben). Fotos: Wagentristl/ BVZ

Das Problem ist ein mathematisches („Wenn man 40 Stunden arbeitet: Wann soll man daheim rauchen außer am Abend?“) aber in erster Linie ein menschliches: Der Nachbar hatte vorab kein Gespräch gesucht, auch der Hauseigentümer, die Genossenschaft B-Süd, wurde nicht kontaktiert. Denen ist der Fall auf BVZ-Nachfrage unbekannt.

Zwar gäbe es eine Gerichtsbeschluss aus Wien, der einem Wiener den Zigarren-Konsum auf dem Balkon in der Nacht verbietet, aber das ein Wiener Sonderfall gewesen, so Paar, der sich beim Konsumentenschutz schlau gemacht hat.

„Nachbarschaft“: Klagen statt Reden

„Uns wurde als Vergleich eine Strafe von 171 Euro und ein nächtliches Rauchverbot angeboten“, erzählt Herr Paar der BVZ – mit Zigarette in der Hand. Denn: „Rundherum rauchen alle. Wieso er ohne vorher zu reden so auf uns losgeht verstehen wir wirklich nicht.“

Laut Carmen sei das Argument des Nachbarn, übrigens wie sie selbst ein deutscher Staatsbürger, dass er seinen eigenen Balkon nicht mehr nutzen könne. „Wer seinen Balkon nicht mehr nutzen kann bin ich“, beschwert sie sich: Der Nachbar habe begonnen mit dem Handy aufzunehmen, wenn sie auf dem Balkon draußen rauche („Er hatte vor Gericht einen ganzen Ordner mit!“). Manchmal leuchtet er sogar mit der Taschenlampe herunter. „So kann das nicht weitergehen. Zwei Jahre lang hatten wir unsere Ruhe mit dem Nachbarn, jetzt auf einmal das“, ist Carmen verzweifelt.

Die Ironie an der Sache: Im wenigen Monaten ziehen die Beiden wieder weg. Die Kläger will dennoch weiter vor Gericht ziehen. Wie dort die Chancen stehen ist schwer zu sagen, die BVZ bleibt jedenfalls dran.

Mehrfache Kontaktversuche von Seiten der BVZ mit dem Kläger blieben unbeantwortet.