Warum denn „Eisen“-Stadt?. Die Kirche als Grab, der Dom als Schutzbau, das Schloss als Wasserburg – das bot eine historische Stadtführung.

Von Sabrina Vitorovic. Erstellt am 18. Oktober 2019 (05:22)
SV
Rundgang. Christian Seywerth (M.) führte durch die Nacht.

Warum heißt Eisenstadt eigentlich Eisenstadt? Mit Eisen hat es jedenfalls nichts zu tun. Aufgrund der guten wirtschaftlichen Situation der Stadt beantragte man den Bau einer Wehrmauer. Als die Stadtmauer einmal stand war von Außen plötzlich kein idyllisches Örtchen mehr zu sehen, sondern nur noch karge Mauer. Folgend wurde die Stadt als „eisern“ bezeichnet – daher der Name „Eisenstadt“.

Diese und weitere spannende Stadt-Geschichte erzählte Christian Seywerth beim „Nachtwächter-Rundgang“ durch das „mittelalterliche Kleinmartinsdorf“ am vergangenen Freitag. Nachtwächter gelten als Vorgänger der Feuerwehr und kümmerten sich im Mittelalter um die Straßenbeleuchtung und die Feuerwache. Seywerth führte in historischer Verkleidung mit Fackel über historische Plätze durch Eisenstadts Stadtgeschichte vom 13. bis 21. Jahrhundert.

Als der Domplatz eine Weidefläche war

Erste Station war der Domplatz. Er ist der älteste Stadtteil und diente früher als Weidefläche. An Stelle des Doms stand früher nur eine kleine „Martinskapelle“, wegen derer Eisenstadt ehemals Kleinmartinsdorf hieß. Der riesige Dom wurde erst zu Zeiten der Türkenbelagerung zum Schutze der Bürger gebaut.

Dann ging es weiter in die Fußgängerzone. Das dortige Rathaus wurde im 17. Jahrhundert, nachdem Eisenstadt zur Freistadt ernannt wurde, errichtet. Dies bedeutete unter anderem Religionsfreiheit, Selbstverwaltung und Blutgerichtsbarkeit. Die Selbstverwaltung gilt übrigens heute noch für die Stadt.

Nächster Halt war die ehemalige Klostergasse, heute Haydngasse. Dort steht mit der Franziskanerkirche, die Grabstätte der Fürsten-Familie Esterházy, die Mutige heute noch besichtigen können.

Das Schloss der Familie ist weltweit bekannt, hat aber einen kaum bekannten Ursprung: Zuerst war es ein Wasserschloss, danach wurde es zur Stadtburg. Erst danach baute die Familie Esterhazy es zum barocken Schloss um, in dem Joseph Haydn die Stadt zur globalen Musikmetropole machte.