Wahlen: Es rauscht im Plakate-Wald.... Land und Bezirk Eisenstadt werden derzeit von Wahlplakaten „geflutet“. Die BVZ hat die Fakten und Strategien dahinter analysiert.

Von Wolfgang Millendorfer und Markus Wagentristl. Erstellt am 04. September 2019 (05:51)
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„Plakate sind im Wahlkampf unverzichtbar“ – darüber sind sich (fast) alle Parteien auch im Burgenland einig. Im Vorfeld der Nationalratswahl setzt man bei den Großflächenplakaten auf bundesweite Sujets und auf die jeweiligen Spitzenkandidaten; die Kandidatinnen und Kandidaten der Landes- und Regionalwahlkreislisten werden in kleineren Formaten plakatiert.

Einzig bei der Liste „Jetzt“ ist man der Meinung, „dass Plakate nicht mehr zeitgemäß sind“, sagt die Burgenländerin Herta Emmer, die als Bundesgeschäftsführerin für den Wahlkampf verantwortlich ist: „Abgesehen vom Materialverbrauch und der damit eingehenden Umweltverschmutzung, ist in der digitalen Zeit die Werbung direkt online an die Bürgerinnen und Bürger, sowie über Berichterstattung in Medien angemessen.“

Grünen-Landesgeschäftsführerin Martina Hajdusich meint hingegen: „Letzte Umfragen haben ergeben, dass Wahlwerbung zum größten Teil über Plakate wahrgenommen wird. Wir plakatieren in unserer Freizeit mit den Aktivistinnen und Aktivisten im ganzen Land selbst.“ NEOS-Landesgeschäftsführerin Anna Bozecski spricht sich zugleich gegen eine „Materialschlacht“ aus: „In moderaten Dosen sind Plakate wichtig, um zu zeigen: Wir sind da und wir haben eine Botschaft. Persönlich fände ich eine allgemeine numerische Plakat-Obergrenze sinnvoll.“

Plakate: Bitte nicht im Ortskern

Dass es auch im Burgenland viele Gemeinden gibt, die im Ortskern keine Plakate wollen, dafür habe die Politik Verständnis, sagt FPÖ-Landesparteisekretär Christian Ries: „Wir bitten ebenso auch um Verständnis, dass wir unsere Botschaften transportieren wollen. Natürlich wird darauf geachtet, dass es zu keinen Sichtbehinderungen im Straßenverkehr kommt.“

In Zeiten von Social Media geht es im Wahlkampf generell aber auch um einen „guten Mix“, wie in allen Parteien festgehalten wird. „Die Volkspartei setzt vor allem auf das persönliche Gespräch. Deswegen gibt es auch die türkise Tour, die Station in allen Gemeinden machen wird“, erklärt ÖVP-Landesgeschäftsführer Christoph Wolf. „Je näher man bei den Menschen ist, umso besser“, hält auch Christian Dax als Teil des SPÖ-Landesgeschäftsführer-Duos fest, „neben Veranstaltungen und Hausbesuchen gehören aber Plakate und digitale Werbung zum Wahlkampf dazu.“

Was die Wahlkampfkosten angeht, unterscheiden sich die Landesparteien. Die ÖVP Burgenland hat 50.000 Euro reserviert und die FPÖ rechnet mit 30.000 bis maximal 50.000 Euro.Bei der SPÖ könne man noch nicht sagen, ob und welche Kosten für die Landespartei anfallen, da die Kosten für die Plakatierung sowie für Werbematerialien von der Bundespartei übernommen werden.

Die Grünen haben im Burgenland rund 4.000 Euro für den Wahlkampf veranschlagt.

Bei der Liste „Jetzt“ gibt es keine ausgewiesenen Kosten für das Burgenland.

Ebenso bei den NEOS, die aber die bundesweiten Wahlkampfkosten 14-tägig online veröffentlichen.

Bezirk: Eine Frage der Persönlichkeit

Im Bezirk Eisenstadt geht es mehr noch im Bund um die Person hinter er Politik. Christoph Zarits aus Zagersdorf sitzt bereits für die ÖVP im Parlament, er ließ sein Bild in einer Gesprächssituation mit dem Motto „Unser Weg hat erst begonnen“ plakatieren. „Mit mir kann man immer reden“, erklärt er das Bild der BVZ.

Der Spruch bedeutet, dass in der bisherigen Legislaturperiode viel erreicht worden sei und die Arbeit nun fortgeführt werden solle. Etwa 70 solcher Plakate sorgen im Bezirk für Bekanntheit. Seine ÖVP-Parlamentskollegin Gaby Schwarz aus Eisenstadt muss sich um Populatirät keine Sorgen machen. Als TV-Journalistin ist sie bestens bekannt. „Meine absolute Priorität ist das persönliche Gespräch“, sagt sie. Statt Plakaten verteilt sie Info-Material.

Bettina Zentgraf (SPÖ) aus Mörbisch muss für um den Bekanntheitsgrad noch kämpfen. Die Landwirtin hat etwa 12 Plakatständer und drei großflächige Plakatwände auf den wichtigsten Verkehrsknoten des Bezirks positioniert. Ihr Bezirksparteileiter Ivan Grujic verzichtete auf individuelle Plakate in seiner Heimat Zagersdorf und spendete die einkalkulierten 300 Euro für den Kindergarten.

FPÖ-Bezirksparteiobmann Géza Molnár ließ etwa 50 Plakate mit Norbert Hofer, Herbert Kickl und Christian Ries aus Rust aufstellen. Nicht ohne Probleme: „Leider wurden am Wochenende an 25 Standorten FPÖ-Plakate beschmiert oder zerstört. Die mangelnde demokratische Gesinnung ist erschreckend. Für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, setzen wir 500 Euro aus.“

Die Grünen haben im Bezirk etwa 40 Plakatständer aufgestellt, verrät Martina Hajdusich der BVZ. Bei den Plakat-Sujets setzen sie auf Inhalte.