Der Goldberg: Ein besonderer Berg. Am Schützener Goldberg fand man einst ein Wal-Fossil, jetzt ist er Heimat für seltene Tiere, tolle Weine und ein Ausflugsziel.

Von Lisa-Marie Zehetbauer. Erstellt am 09. Dezember 2019 (06:21)
Einladend. Das „Wein am Berg“ Fest. Foto: Gerhard Trucksitz
Gerhard Trucksitz

Das Ruster Hügelland ist ein schmaler, parallel zum Neusiedler See verlaufender Höhenzug, der sich auf rund 12 Kilometer Länge von Schützen am Gebirge im Norden über Mörbisch am See bis in ungarisches Staatsgebiet nach Fertörakós hineinzieht. Die höchste Erhebung ist der Goldberg südlich von Schützen am Gebirge mit 224 Metern. Hier wurde 1973 ein kleines Naturschutzgebiet mit einer Fläche von einem Hektar ausgewiesen.

Wie kommt ein Wal-Skelett auf den Berg?

Die Kalke, die das Ruster Hügelland ummanteln, sind ein Überrest des einstigen Tethys-Meeres, das vor etwa 14 Millionen Jahren das Kaspische Meer mit dem Mittelmeer verband. Noch heute zeugen zahlreiche Fisch- und Muschelfossilien von der einstigen Meereslandschaft. Besonders beeindruckend: Der weltweit älteste Fund eines Papageienfisches sowie die Entdeckung eines fossilen Walhais.

Die Industrialisierung und ihre Folgen

Die Riede zum Goldberg hinauf trägt den Namen Steinweingarten, was darauf hinweist, dass hier schon immer Weinbau betrieben wurde. Hier herauf zu gelangen war früher sehr beschwerlich. Es war ungemein anstrengend, die in Holztanks gefüllte Spritzbrühe zum Spritzen der Weingärten herauf zu bringen. Es war auch gefährlich, die Weinernte in schweren Holzbottichen auf Leiterwägen, gezogen von zwei Ochsen, unversehrt nach Hause zu bringen.

Die Zeiten der Motorisierung machten einen Ausbau der Feldwege unvermeidlich. Mit Unterstützung des Landes und der Gemeinde wurden Wegbaugemeinschaften gegründet, um die Wege auszubauen und für Traktoren und Autos befahrbar zu machen. Heute verfügt Schützen über ein asphaltiertes Güterwegenetz von 10 Kilometer. Hier dominieren Weißweinsorten wie Welschriesling und Furmint.

Die Industrialisierung der Landwirtschaft hat aber auch ihre Kehrseiten. Bis vor rund 80 Jahren war das Ruster Hügelland von flächig ausgebildeten, durch extensive Beweidung entstandenen Trockenrasen geprägt. Im Zuge der Intensivierung der Landwirtschaft musste ein Großteil dieser ökologischen Flächen den ertragreicheren Weingärten weichen.
Eines der noch erhaltenen Rückzugsgebiete für die artenreiche Trockenvegetation und ihre begleitende Fauna ist der Goldberg.

Ein Wiedehopf. Foto: LBV/Roessner
LBV/Roessner

Wegen seiner naturnahen und artenreichen Trockenvegetation wurde er bereits 1973 zum Vollnaturschutzgebiet erklärt. So findet man zum Beispiel auf dem Trockenrasen auffallend viele Schmetterlinge, Gottesanbeterinnen, Hutweiden, die Dolchwespe und der Wiedehopf (links). Auch verschiedenste Blumenarten kann man am Goldberg finden, wie der große Sommerwurz oder die sibirische Glockenblume.

Ein Berg als Treffpunkt

Am Goldberg kann man das ganze Jahr über einiges erleben und bestaunen. Im Frühling kann man zum Beispiel die wunderschöne Pracht der zahlreichen Kirschblütenbäume sehen. Auch das bereits traditionelle Osterfeuer ist jedes Jahr aufs Neue einen Besuch wert. Im Sommer veranstaltet der Kulturverein Schützen am Gebirge eine Kräuterwanderung.

Auch das „Wein am Berg“ im Herbst sollte man nicht verpassen: Auf dem idyllischen Welterbe-Aussichtspunkt bei der Weinlaube am Goldberg sieht man vom Neusiedler See bis zum Schneeberg. Bei der Weinpräsentation aller Weinbauern aus Schützen am Lagerfeuer gibt es Speckbraten, Bergkäse und natürlich Wein.

Im Winter wenn die Wetterbedingungen ideal sind und genug Schnee Gras und Wege bedeckt, sieht man Jung und Alt den Goldberg hinunterrodeln.