Jungärzte und ihre „Niederlassungs-Bereitschaft“. In ganz Österreich können Kassenstellen für Ärzte nicht nachbesetzt werden. In dieser Serie sieht sich die BVZ nach Ursachen im Bezirk Eisenstadt um.

Von Markus Wagentristl. Erstellt am 07. Juni 2019 (11:02)
BB-Eisenstadt
Kinderarzt. Skeptisch gegenüber Niederlassung: Kinderarzt Christian Siess und Anasthäsie-Kollegin Marlies Prünner.

Der BVZ-Artikel über das 35 Jahr-Jubiläum der Kinderstation hatte für Aufsehen gesorgt: Primarius Hans Peter Wagentristl konnte zwar auf medizinische Erfolge zurückblicken, sorgte sich aber um die Zukunft seines Berufsstandes: Es kommen kaum junge Kinderärzte nach.

Bei den niedergelassenen Kinderärzten sieht das Bild sogar noch düsterer aus: Es gibt in ganz Eisenstadt nur noch einen Kassen-Kinderarzt.

Die BVZ widmet diesem Problem eine Serie. Wir werden mit Abteilungsleitern, der Krankenkasse, der Ärztekammer sowie Eltern und Patienten darüber sprechen.

Dieses Mal sind die dran, um die es eigentlich geht: Die Jungärzte und ihre „Niederlassungs-Bereitschaft“.

Ordination: Bürokratie und eintönige Arbeit

Der Eisenstädter Christian Siess ist einer der wenigen Jungärzte aus dem Bezirk, die in ihrem „Heimatspital“ bei den Barmherzigen Brüdern Eisenstadt eine Ausbildung zum Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde macht.

Ob er sich einmal als Kassenarzt niederlassen wird? Siess ist skeptisch: „Da ist man mit allem alleine – Bürokratie, Rechnungswesen und auch medizinisch. Hier im Spital habe ich ein Team.“ Auch die Fälle im Spital seien beruflich herausfordernder. In die gleiche Kerbe schlägt auch seine Kollegin bei den Barmherzigen Brüdern, Marlies Prünner aus Pöttsching.

Mehr Wertschätzung in Ausbildung und Beruf

Sie hat sich mit ihrer Anästhesie-Ausbildung eigentlich gegen eine Niederlassung entschieden, will sich durch eine zusätzliche Facharzt-Ausbildung aber die Option offen lassen. Auch sie beklagt, dass die medizinische Tätigkeit bei einer Kassenpraxis zu standardisiert sei. Allgemeinmediziner gelten als „Rezepteschreiber“, wie Kollegen hinter vorgehaltener Hand sagen.

Es ist also auch ein Imageproblem: Während dem Studium schon die allgemeinmedizinische Ausbildung für Prünner zu kurz, für Medizinstudierende ist es also von Anfang an schwer sich emotional mit diesem breiten Medizinfeld zu identifizieren. Und auch nach dem Studium bleibt das in der Kollegenschaft so: „Man bleibt für immer Turnusarzt.“

Freilich gibt es auch geografische Gründe. Einen gut bezahlten Job in den Metropolen Europas hat für junge Menschen natürlich mehr Verve als einer beispielsweise hinterm Leithaberg. Da spielt auch der mangelnde Öffentliche Verkehr eine Rolle: „Kollegen bleiben nach dem Studium daher Wien oder pendeln in gut angebundene Vorstädte wie St. Pölten“, erklärt Siess. Kommende Woche erklären wir Gegenmaßnahmen der Kammer und Krankenkasse.