Fluch oder Segen für Großhöflein?

Bei Neueröffnungen am Ortsrand läuten bei vielen die Alarmglocken. Schaden sie dem Ortskern? Die BVZ hat nachgefragt.

Erstellt am 08. April 2021 | 03:44
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Bürgermeister Heinz Heidenreich betont die neugeschaffenen Arbeitsplätze (links).
Vize-Bürgermeisterin Maria Zoffmann ist nicht generell gegen den neuen Standort (rechts).
Foto: zVg/collagebvz, zVg/collagebvz

Unter dem Schlagwort „Ortskernstärkung“ plädieren Raumplaner und Stadtentwickler seit Jahren für Einkaufsmöglichkeiten im Zentrum und gegen Neubauten an den Rändern.

Das Landesentwicklungsprogramm schreibt sogar entsprechende Maßnahmen vor. Im Verordnunsgtext heißt es: „Historisch gewachsene Ortskerne sollen dauerhaft erhalten bzw. aufgewertet werden. Dementsprechend hat die Ansiedlung von Nahversorgungsseinrichtungen bevorzugt dort zu erfolgen.“

Kein Standort im Zentrum verfügbar

In der Praxis ist das aber nicht so einfach, erklärt Bürgermeister Heinz Heidenreich (SPÖ) mit Blick auf die derzeit entstehende Eurospar-Filiale in Großhöflein: „Natürlich wäre ein Standort im Zentrum interessant und schöner. Es gibt aber leider keinen Platz dafür“, ist er sich der Problematik bewusst.

Zu Fuß sei der neue Standort de facto nur für die Bewohner der umliegenden Straßen gut erreichbar. Diese Gegend verzeichne allerdings auch ein starkes Wachstum. Heutzutage würden kaum noch Leute zu Fuß unterwegs sein — „leider.“ Der neue Standort sei dafür „gut angebunden und verfügt über ausreichend Parkplätze. Auch aus Müllendorf wird die neue Filiale wohl stark genutzt werden.“

Der Standort sei schon lange fix, Spar habe bereits vor Jahren Baupläne eingereicht und auch grünes Licht bekommen — allerdings ist die Genehmigung mit 2019 abgelaufen und musste daher neu beantragt werden.

Vize-Bürgermeisterin Maria Zoffmann (ÖVP) betont: „Wir haben grundsätzlich nichts gegen den neuen Standort. Fraglich ist, ob wir ihn tatsächlich brauchen, wenn unweit davon in Kleinhöflein schon ein Spar steht, den viele Großhöfleiner nutzen — zu Fuß.“ Früher stand am heutigen Innovationsplatz 2 eine Disco. „Da ist mir ein Supermarkt lieber“, erklärt sie.

Bei den zwei kleinen Geschäften im Ort ist man aktuell noch abwartend oder sogar positiv gestimmt. Als direkte Konkurrenz sehen sich beide nicht.

Kleine Händler keine direkte Konkurrenz

Beim Fleischspezialitäten-Geschäft der Familie Treiber kann man aktuell noch nicht abschätzen, wie sich der neue Supermarkt am Stadtrand auf den Umsatz auswirkt. Helene Treiber ist aktuell zuversichtlich: „Wir selbst spüren vermutlich kaum etwas. Die Leute, die zu uns kommen, wollen nur unsere Produkte und kommen sowieso, auch wenn ein neuer Supermarkt eröffnet. Wenn einem egal ist, was für Fleisch man isst, geht man zum Supermarkt.“

Generell wachse die Konkurrenz der Supermärkte jedenfalls, verweist sie auf die Supermärkte in Kleinhöflein und Steinbrunn sowie den zukünftigen in Großhöflein. Gespräche mit den Betreibern, die Treiber-Spezialitäten aus dem Ort auch ins Sortiment aufzunehmen, habe es bisher jedenfalls nicht gegeben.

Simone Stadlhofer erwartet ebenfalls kaum Auswirkungen der Neueröffnung für ihr „Altes Kaufhaus“. Ihr Laden sei ohnehin nur knapp zwei Tage die Woche geöffnet und führt Produkte, „die es bei Supermärkten nicht gibt. Daher mache ich mir eher wenig Sorgen. Ich bin ja kein klassischer kleiner Nahversorger.“ In ihrem Laden führt sie etwa Spezialitäten aus der Region und ganz Österreich, in den Regalen ist auch ein Großteil der Winzer aus dem Ort vertreten. Viele Leute kommen extra für ihre Bio-Milchprodukte nach Großhöflein, erzählt sie: „Die Laufkundschaft, die sich eine Semmel als Jause holt, ist eher nicht mein Stammklientel.“ Und trotz der Lage im Ortszentrum: „Der Großteil kommt mit dem Auto“.