Shoppingcenter als Politikum in Siegendorf

Erstellt am 25. August 2022 | 05:19
Lesezeit: 3 Min
Black Friday Shopping Shoppen Symbolbild
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Foto: PopTika/Shutterstock.com
Der Wahlkampf lässt in Siegendorf bereits grüßen: Kein Ende der Debatten rund um die Erweiterung des bestehenden Einkaufszentrums.
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Betonwüste, Bodenversiegelung, Tankstellenwahnsinn – mit Schlagworten wie diesen übten zuletzt ÖVP wie auch der Spitzenkandidat der „Liste GRÜNE und Parteifreie“ für die Gemeinderatswahl, Gerhard Jilli, heftige Kritik am Ausbau des Gewerbegebiets beim „INTRO“.

Konkret sollen laut Projektbetreiber Peter Krenmayr auf dem Areal „noch heuer“ eine Shell-Tankstelle und „im kommenden Herbst“ ein Drei-Sterne-Hotel mit 95 Zimmern eröffnet werden, – Bauverhandlung für die Tankstelle war bereits gestern, Mittwoch. Auch von der Ansiedlung eines Fastfood-Lokals ist weiterhin die Rede.

Fruchtbares Ackerland werde durch „diese sinnlose Expansion“ vernichtet, beklagte die ÖVP in einem Schreiben an die Bevölkerung mit dem Hinweis, im Gemeinderat damals gegen eine Umwidmung von Ackerland in Bauland-Gewerbegebiet gestimmt zu haben. Zudem wurde etwa auch die Notwendigkeit von künftig fünf Tankstellen im näheren Umkreis in Frage gestellt.

Zu Wochenbeginn zog nun Bürgermeisterin Rita Stenger (SPÖ) ebenfalls mit einem Rundschreiben nach, um „Behauptungen richtig zu stellen.“ „Seit mehr als drei Jahrzehnten wurde im Gemeinderat der Beschluss gefasst, die nun diskutierten Flächen von landwirtschaftlicher Fläche auf Gewerbefläche zu widmen“, heißt es darin, „weit mehr als die Hälfte des zukünftigen Einkaufszentrums war längst schon als Baulandgewerbegebiet gewidmet.“

Im Zuge des Entwicklungskonzepts für den Ort sei zudem vereinbart worden, „bestehendes Gewerbegebiet im deutlich größeren Ausmaß auf Grünland rückzuwidmen.“ Mit einer versiegelten Fläche von rund zwei Prozent liege Siegendorf übrigens „weit unter dem Österreichschnitt von sieben Prozent,“ betonte Stenger.

Krenmayr wiederum hob eine klimaneutrale Bauweise hervor, so seien an der neuen Tankstelle etwa umweltschonende E-Ladestationen und – ebenso beim Hotel – eine PV-Anlage geplant. Mit der Tankstelle entstehe außerdem auf rund 80 Quadratmetern eine Einkaufsmöglichkeit auch am Wochenende, durch die Konkurrenz profitiere der Kunde wohl auch bei den Spritpreisen. Zu den bereits bestehenden rund 100 würden etwa 30 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen, „das Ganze bringt der Gemeinde eine Kommunalsteuer von 100.000 Euro jährlich.“

Scharfe Worte fand der Projektbetreiber für ÖVP-Ortsparteiobmann Florian Schober. Als „Regionalleiter in der Wirtschaftskammer für Regionalentwicklung“ müsse dieser die Interessen der Unternehmer unterstützen: „Er macht genau das Gegenteil. Das ist als ob ein Arbeiterkammervertreter die Interessen eines Unternehmers gegen den Arbeiter vertritt.“

Vorwürfe, die für Schober nicht nachvollziehbar sind: „Die Aussendung hat mit meiner WK-Tätigkeit nichts zu tun. Wir haben sie als ÖVP Siegendorf gemacht, deren Obmann ich bin. Wenn das für einen gewählten Vertreter in der Gemeinde nicht mehr möglich sein sollte, haben wir ein Problem, dann wird wohl bald niemand mehr politisch aktiv sein. Unsere Kritik hat sich auch nicht gegen Peter Krenmayr gerichtet, sondern gegen die Umwidmung. Wir wollten einfach aufzeigen: das kommt, das wird passieren.“

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