Walter Eselböck baut in Rust. Beim Ruster Stadthafen soll ein Gastronomie-Projekt mit Apartments von Starkoch Walter Eselböck entstehen. Die ÖVP kritisiert zu niedrige Preise für das Grundstück.

Von Peter Wagentristl. Erstellt am 21. Oktober 2020 (18:01)
Am See. Beim Ruster Stadthafen, neben dem Seehotel, will Gastronom Walter Eselböck ein Restaurant bauen.
zVg, screenshot google maps

In der Storchenstadt herrscht Aufregung um ein geplantes Bauprojekt im Stadthafen. Auf der Wiese zwischen Seehotel und Spielplatz soll ein Gastronomiebetrieb mit Apartments von Starkoch Walter Eselböck errichtet werden. Unmut regt sich darüber in der Bevölkerung und bei der Ruster ÖVP.

1.300 Quadratmeter der Seewiese sollen an den Betreiber verkauft, weitere 1.600 Quadratmeter für eine „Chill out Area“ verpachtet werden. Geplant ist auch die Entfernung von Teilen des Schilfgürtels, um mehr Anlegeplätze im Stadthafen zu schaffen. Der Gemeinderat hat das Projekt bereits abgesegnet. Die SPÖ um Bürgermeister Gerold Stagl stimmte geschlossen dafür, die ÖVP um Vize-Bürgermeister Georg Seiler — mit Ausnahme eines türkisen Gemeinderates — dagegen.

Die ÖVP kritisiert die Pläne gleich aus mehreren Gründen, ist aber nicht grundsätzlich gegen das „durchaus ansprechende Vorhaben. Aber nicht an diesem Standort und nicht um diesen Preis“, erklärt Seiler. Bemessen wurde der Grundpreis — auch weil die Fläche derzeit noch als Grünfläche-Erholungsgebiet und nicht als Bauland-Fremdenverkehr gewidmet ist — mit 150 Euro pro Quadratmeter. Viel zu wenig, findet die ÖVP. In Oggau gebe es etwa zwei Baugründe am See um 420 bis 490 Euro pro Quadratmeter, in Neusiedl sind es sogar 1.250 Euro. Ohnehin sei ein Verkauf der falsche Weg, findet Seiler und plädiert für eine Pacht-Lösung für die gesamte Fläche.

Verstellt Restaurant den Blick auf den See?

Weiters kritisiert die Stadt-Opposition den Standort auf der Seewiese. „Es soll genau im Sichtbereich der Hauptstraße gebaut werden, womit der Ausblick auf den See verdeckt wäre. Man hat sich schon etwas dabei gedacht, diesen Platz unbebaut zu lassen.“ Daran gebe es auch viel Kritik aus der Bevölkerung, meint Seiler.

Für den Bau brauche es jedenfalls genau genommen keine gänzlich neue Widmung, sondern nur eine Verlegung: Der benachbarte Spielplatz ist bereits seit längerem als Bauland/Fremdenverkehr gewidmet, die Flächenwidmung der beiden Grundstücke soll nun einfach getauscht werden. Vom Land wurde der Tausch noch nicht abgesegnet.

Gemäß der Beschlusslage des Gemeinderates ist Bürgermeister Stagl nun mit den Verhandlungen beauftragt, Verträge wurden jedoch noch keine abgeschlossen. Für den Spatenstich fehlt noch die Zusage des Hauptreferats Landesplanung der Landesregierung. Die ÖVP rechnet jedenfalls noch mit Widerstand aus der Bevölkerung, „da kann man nicht einfach drüberfahren“, so Seiler.

Preis als „eine Art Tourismusförderung“

Ortschef Gerold Stagl verteidigt das Projekt und das Vorgehen seiner Fraktion. Die Kritik scheint ihm überzogen und voreilig: „Woher weiß die ÖVP, dass das Gebäude die Sicht verstellt? Es gibt noch gar keinen Plan, wo der Betrieb entstehen soll.“ Von der 1.300 Quadratmeter großen Fläche würden ohnehin nur etwa 500 Quadratmeter, also kanpp 40 Prozent, verbaut werden. „Da kann man sicher vereinbaren, dass der Ausblick nicht beeinträchtigt wird“, kalmiert der Bürgermeister. Auf der größeren, gepachteten Fläche soll nur eine Terrasse mit Lounge-Bereich gebaut werden.

Voller Lob spricht der Ortschef der Freistadt von der geplanten Bauweise mit begrüntem Dach. „Sowohl von der Bauweise, als auch vom Betrieb her wäre das Projekt eine hochqualitative Ergänzung für Rust.“

Bauprojekt. Gebaut wird dabei am Seeufer, direkt im Stadthafen.
zVg, screenshot google maps

Angesprochen auf die geplante Entfernung von Teilen des Schilfgürtels zur Vergrößerung des Stadthafens bleibt Stagl vage: „Dazu müssen noch einige Gespräche mit den zuständigen Stellen des Landes geführt werden. Zur Fläche können wir aktuell noch nichts sagen.“

Den niedrigen Quadratmeterpreis verteidigt der Bürgermeister: „Man kann das Projekt nicht nur auf den Preis reduzieren. Wir schreiben eine Zweckwidmung vor, auf der Fläche darf ausschließlich ein Gastronomiebetrieb mit fünf Apartments geführt werden. Zudem haben wir ein Vorkaufsrecht zum selben Preis.“ Das schlage sich natürlich auf den Quadratmeterpreis nieder. Dieser sei zudem als „eine Art Tourismusförderung“ gedacht. Beim Seehotel habe man sich vor über 30 Jahren für eine Schenkung entschieden. „Anders hätte es das Seehotel wohl nie gegeben. Ich hätte es damals genauso gemacht“, betont Stagl.

„Kein Mega-Projekt wie am Ostufer“

Gastronom Eselböck will die Kritik am Projekt entkräften: „Die Aufregung, die teilweise herrscht, halte ich für vollkommen unbegründet. Es entsteht kein Hotel, wie im Ort gemunkelt wird (auch die ÖVP spricht in einer Aussendung von einem Hotelprojekt; Anmerkung der Redaktion).“ Es solle quasi ein zweites „Haus im See“ entstehen, da die Lage in Fertörakos aktuell wie zukünftig unsicher und „schwierig“ sei.

„Es wird kein Mega-Projekt wie am Ostufer, in Neusiedl oder Weiden. Wir werden sehr behutsam vorgehen“, versichert der Starkoch und Unternehmer. Man setze beim Bau auf regionales Material wie Schilf und Sandstein aus dem Steinbruch in St. Margarethen. „Es wird ein bisschen anders, als alles, was bisher so üblich war. Wir sprechen auch ein etwas anderes Klientel an, als in Rust sonst unterwegs ist. Das Restaurant wäre eine hervorragende Ergänzung.“

Mit dem Bau will man im Frühjahr 2021 starten, ein Jahr später sollen der neue Gastronomie-Betrieb und die Apartments am Stadthafen bereits eröffnet werden.