Aufruhr um Initiative für offene Seezugänge

Eine Gruppe aus 25 Personen will sich für offene Seezugänge stark machen. Die Bevölkerung steht dem skeptisch gegenüber.

Bettina Deutsch Erstellt am 25. April 2018 | 05:44
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Teamarbeit. Gerold Stagl, Michaela Heeger-Gmeiner, Erwin Preiner, Christian Janisch, Moderatorin Barbara Karlich, Martin Pfundner, Alois Lang und Stefan Schindler baten in Winden am See zum Gespräch.
Foto: Initiative Neusiedler See

„Unsere Region. Unser See. Reden wir gemeinsam darüber!“ Mit diesem Aufruf lud die Initiative Neusiedler See, 25 Vertreter aus Tourismus, Weinbau, Umweltschutz und Politik, zur Dialogveranstaltung ein. Das Ziel: „Den See vor dem Ausverkauf schützen. Dazu wollen wir eine breite und offene Diskussion anstoßen. Wir setzen uns für ein ausgewogenes Verhältnis von Natur-Schutz und Natur-Nutzung ein“, so Christian Janisch von der Esterházy Betriebe GmbH, die ebenfalls Teil der Initiative ist.

Janisch betont: „See soll zugänglich bleiben“

Mit Transparenz und Nachvollziehbarkeit will man punkten. Die Steigerung von Wertschätzung, -schöpfung und Lebensqualität sowie die Schaffung von Arbeitsplätzen stehen dabei auf der Agenda der Initiative.

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„Eine nachhaltige Entwicklung kann nur im Einklang mit den Menschen der Region erfolgen. Der Neusiedler See soll für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben“, so Janisch. Hauptgrundeigentümer am See sind die Esterházy Betriebe sowie die Gemeinden rund um den See. „Derzeit ist nur ein marginaler Teil verbaut und das soll auch so bleiben. Zudem sollen die Strandbäder als Zugänge erhalten bleiben und modernisiert werden“, berichtet Janisch.

Die Bürger sind noch skeptisch, vor allem wegen der Zusammensetzung der Gruppe, da es sich zum Teil um Unternehmen handelt, die bereits Projekte auf Seegebiet in petto haben – wie etwa die Esterházy Betriebe eine Neugestaltung des Seebades Breitenbrunn. Viele befürchten, vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden.

„Abstimmungsgespräche“ zum Breitenbrunner Seebad

Kritik kommt auch von den Grünen: „Investoren und Unternehmer haben sich zu einer Lobby zusammengetan, um Seeprojekte aufzustellen, und gleich selbst die Regeln dafür formuliert. Die wirtschaftlichen Interessen müssen sich dem Naturschutz unterordnen, sonst leidet der See und mit ihm der Tourismus“, so Podersdorfs Gemeinderat Kurt Ciboch. Die Inputs der Bevölkerung sollen aufgearbeitet und ein Verein gegründet werden, „der dann viele Menschen ansprechen und gewinnen soll“, heißt es.

Zum Seebad in Breitenbrunn laufen derzeit noch „Abstimmungsgespräche“, wie Clemens Biffl von Esterházy Immobilien wissen lässt. „Diese Gespräche sind gegenseitige Informationsgespräche. Wir informieren, erhalten aber auch Informationen und Anregungen, die wir miteinbeziehen. Noch vor dem Sommer soll es wieder eine Informationsveranstaltung für die Bürger geben, wo die bisherigen Ergebnisse präsentiert werden. Danach startet die nächste Gesprächsrunde. Einen konkreten Baubeginn gibt es noch nicht. Es müssen auch noch Umwidmungen stattfinden“, so Biffl.