Eine Seefahrt, die ist – vorerst nur teilweise erlaubt

Die Schifffahrts- unternehmen am Neusiedler See stellen sich auf eine harte Saison ein.

Erstellt am 01. Mai 2020 | 04:56
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Verordnung. Ab 1. Mai startet der Linienverkehr wieder, Rund- und Grillfahrten bleiben aber untersagt.  
Foto: zVg

Offene Fragen und Zukunftsängste sind derzeit das tägliche Brot der Gastronomen und Touristiker. Ähnlich sieht es auch bei den Schifffahrtsunternehmen am Neusiedler See aus. Bei der „Drescher Line“ stellt man sich etwa auf eine schwere Saison ein, gleich aus mehreren Gründen droht ein Minus.

Probleme bereitet nämlich nicht nur die Corona-Krise, sondern auch der niedrige Pegelstand des Sees. „Natürlich hat man den Pegelstand immer im Auge, egal ob der See viel oder wenig Wasser hat“, erklärt Kristina Drescher. Man müsse mit den Schwankungen leben, in der Vergangenheit sei es teilweise noch schlimmer gewesen, zum Beispiel 2004. Außerdem könne der Pegel sich auch schnell ändern, wenn etwa der Mai so verregnet wird wie im Vorjahr. Die Saison sei jedenfalls gesichert — zumindest vom Wasserstand her. Allerdings: „Die wirtschaftlichen Sorgen sind derzeit natürlich größer als die über den Pegel.“

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Die Verordnung, die den Zugang zu den Seebädern und Gewässern im Burgenland reglementiert, läuft heute (am 30. April) nach zweiwöchiger Geltung ersatzlos aus — „vorerst“, wie in einer Aussendung des Landes betont wird. Auch der Linienverkehr wird mit 1. Mai wieder aufgenommen. Rund- und Grillfahrten bleiben allerdings verboten. Bis so viel Klarheit herrschte, war es allerdings ein weiter Weg, erzählt Drescher: „Wir haben lange mit der Wirtschaftskammer diskutiert, wo wir dazugehören. Letztlich wurde nun erklärt, dass die Linienfahrten zum Öffentlichen Verkehr zählen und daher freigegeben werden. Rund- und Grillfahrten fallen dagegen voraussichtlich unter die Regelungen der Gastronomie.“ Letztere könnten also, ebenso wie Restaurants und Ähnliches, ab Mitte Mai wieder unter bestimmten Voraussetzungen stattfinden.

Noch keine Freigabe für Mulatság und Feiern

Weiterhin aufrecht bleiben dabei natürlich die Hygiene- und Sicherheitsbestimmungen. Wie genau diese umgesetzt werden können, will man bei „Drescher Line“ aber noch abklären. Wie mit Veranstaltungen an Bord umgegangen wird, ist ebenfalls noch fraglich. Diese sind allerdings ein wichtiger, wenn nicht der wichtigste, Umsatzbringer für das Unternehmen. Etwa 70 Prozent der Einnahmen kommen aus den Rund- und Grillfahrten wie dem beliebten Mulatság. Diese erfreuen sich wachsender Beliebtheit und werden etwa für Hochzeiten, Geburtstags- und Familienfeiern gebucht und zählen (nicht nur) für Drescher zum burgenländischen Kulturgut.

Minus scheint fix, Höhe noch nicht absehbar

Wie hoch die Umsatzeinbußen ausfallen werden, könne man derzeit noch nicht abschätzen. Dass aber unterm Strich ein Minus stehen wird, scheint auch in der Schifffahrt bereits sicher. Heuer bleiben auch erstmals die Festspiel-Gäste und das in den letzten Jahren immer zahlreichere internationale Publikum aus, was sich ebenfalls in der Bilanz niederschlagen wird. Auch die Fahrten nach Fertörakos fallen bis auf weiteres aus, bis August läuft der Pachtvertrag für den Steg in Ungarn noch. Im Fokus stehe in nächster Zeit aber der Inlands-Tourismus.

Beim 1956 gegründeten Familienbetrieb will man jedenfalls bereit für den Start sein, sobald das weitere Vorgehen fest steht. Ebenso wie der weitere Zeitplan, scheint auch die Nachfrage derzeit kaum berechenbar. „Es könnte sein, dass am ersten Tag hundert Leute am Steg warten oder nur vereinzelt Gäste zu uns kommen“, beschreibt Drescher die Unsicherheit und die fehlende Planbarkeit für die Zukunft.