Ein Herz für verletzte und kranke Wildtiere. Katharina Michels und Franz Berger kümmern sich in Oggau um verletzte und kranke Tiere. Die Arbeit ist aber nicht nur süß, sondern auch sehr intensiv.

Von Peter Wagentristl. Erstellt am 28. August 2020 (04:12)
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Begonnen hat alles vor 20 Jahren: „Ein Freund meines Vaters hat beim Naturschutz gearbeitet und gefragt, ob wir vielleicht in paar Dohlen-Kinder aufnehmen können. Schnell kamen Rotschwanzerl, Nebelkrähen und dann auch noch Igel dazu“, erklärt Katharina Michels von der Wildtierhilfe Oggau. Mit der Zeit wurde die ehrenamtliche Arbeit immer intensiver, das Tier-Lazarett wuchs immer weiter und mittlerweile sind 120 Wildtiere in Oggau in Pflege.

Bis vor einigen Monaten zählten Vögel zu den „Hauptkunden“ der Wildtierhilfe, „wegen meiner MS-Erkrankung kann ich die kleinen Vögel aber nicht mehr mit der Pinzette füttern. Wir nehmen nur noch verletzte Vögel, die nicht gefüttert werden müssen.“

Heuer kommen besonders viele Igel nach Oggau: „Igel werden häufig überfahren. Die Igel-Kinder haben dann keine Mutter mehr, die sie versorgen könnte. Daher laufen sie tagsüber herum. Dabei werden sie oft von Rasenmährobotern erwischt, weil sie bei Gefahr ganz ruhig liegen bleiben.“, erklärt Michels. Die Tiere werden dann tagsüber häufig von Fliegen befallen und sind voller Maden. Jene Igel, die von Rasenmähern oder Elektrosensen erwischt werden, haben heftige Schnittwunden und müssen vom Tierarzt genäht werden. „Das ist wirklich schlimm, kleine Igel vertragen die Narkose bei schweren Fällen nicht, häufig endet das tödlich“, fühlt die Oggauerin mit ihren Schützlingen mit.

Bei Kontakt immer an Wildtierstation wenden

„Meistens kann man nichts dafür: Igel-Nester erkennt man nicht, sie sehen einfach aus wie ein ein Haufen Gras“, so Michels. Während der Brut- und Setzzeit von Frühjahr bis Spätsommer wäre es wichtig, Hunde angeleint zu lassen, da etwa Feldhasen, Rehe, Kaninchen, Vögel und Igel in den Feldern und Weingärten ihre Kinderstube haben. Sollte es trotzdem dazu kommen, dass Katzen oder Hunde Kontakt mit Wildtieren und -vögeln haben, ist es immer notwendig sich an eine Wildtierstation oder einen Tierarzt zu wenden. Der Speichel von Hunden und Katzen enthält Bakterien, die den Wildtieren schaden. Unter der Nummer 141 (Ärztenotruf) kann man den Tierarzt, der aktuell für Notdienst eingeteilt ist, erfragen.

Wildtierretter. Katharina Michels und Franz Berger kümmern sich in Oggau um verletzte und kranke Wildtiere wie Eichhörnchen, Igel oder Vögel.
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Öfters bekommen Igel im Garten Junge. Dort kann man mit einem Totholzhaufen am Rand mit Laub und Ästen den Igeln einen Unterschlupf bieten.

Viele Menschen sehen nur die süßen Bilder auf der Facebook-Seite der Wildtierstationen und haben romantische Vorstellungen von der Arbeit mit Tieren. Dabei ist es emotional und zeitlich extrem aufwendig. „Einige Tiere, wie etwa Eichkatzerl-Babies, müssen alle zwei Stunden gefüttert werden — auch in der Nacht“, mahnt Michels.

„Nicht nur süß, auch große Verantwortung“

Besonders ärgern muss sich die Büro-Angestellte über überambitionierte, teils sogar rücksichtslose Versuche, selbst Tiere gesund zu pflegen. „Das sind die intensivsten Pflegepatienten. Wir hatten beispielsweise ein Eichkatzerl, das 24 Stunden nicht gefüttert wurde und neurologische Schäden davongetragen hat. Es fällt beim Fressen um oder fällt aus dem Kobel. Diese Tiere kann man nie wieder auswildern und das Eichhörnchen würde es nicht schaffen auf einen zehn Meter hohen Baum zu klettern. Das geht einem emotional schon nahe, natürlich baut man eine Bindung zu den Tieren auf.“

Letztlich landen die Tiere bei der Wildtierhilfe, teilweise für immer. „Man sollte immer zuerst eine Wildtierstation kontaktieren, bevor man Wildtiere fängt und zu pflegen versucht“, betont die tierliebe Oggauerin. Häufig werden Tiere vollkommen grundlos mitgenommen und als pflegebedürftig betrachtet— obwohl ihnen nichts fehlt. „Nur weil die Kinder den Igel oder das Eichhörnchen süß finden, ist das kein Grund ein Tier mitzunehmen.“ Durch falsche Maßnahmen wird das Leid oft nur vergrößert. Man darf den Tieren keinesfalls Wasser oder Futter verabreichen.

Süß. Igel fallen häufig Rasenmäherrobotern zum Opfer.Igel-Kinder sind ohne Mutter nicht überlebensfähig.
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Jeder kann und soll aber freilich einige Maßnahmen beachten, mit denen man Tieren in Not helfen kann: „Gerade wenn es sehr heiß ist brauchen die Tiere Wasser. Da reicht schon eine Schüssel oder ein Untertopf für Blumen.“ Auch Igelfutter werde immer gebraucht, „aber dabei muss auf einen Fleischanteil von mindestens 60 Prozent geachtet werden. Es darf keine Sauce oder Gelee enthalten, weil das zu Durchfall führt.“

„Wir sind kein Verein, nur drei Leute: Ich, meine Mutter Charlotte und mein Freund Franz Berger. Sachspenden sind immer gerne gesehen, wie etwa selbstgestrickte Eichhörnchen-Kobel, Igel-Garagen oder Katzenfutter“, hofft Michels auf helfende Hände.

Hilfe. Mit selbstgestrickten Eichhörnchen-Kobeln können handwerklich Begabte die Wildtierhilfe Oggau unterstützen.
zVg/Wildtierhilfe