Prozess in Eisenstadt: Haft für alle Schlepper

Erstellt am 02. Mai 2022 | 05:25
Lesezeit: 3 Min
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Die meisten Schlepper hatten sich schuldig bekannt.
Foto: Kirchmeir
19 Schlepper standen vor Gericht – alle erhielten Haftstrafen zwischen 15 Monaten und vier Jahren.
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In der Vorwoche mussten sich 19 Männer im Alter zwischen 22 und 58 Jahren vor einem Schwurgericht verantworten, weil sie von August bis Oktober 2021 350 Flüchtlinge illegal ins Land gebracht hatten.

Die meisten der Angeklagten stammen aus der Republik Moldau und gaben an, wegen ihrer finanziellen Notlage die Schlepperfahrten durchgeführt zu haben.

Einige der Schlepperfahrten hatten im Burgenland mit spektakulären Verfolgungsjagden geendet, weil Bundesheerpatrouillen oder Polizei auf die Transporte aufmerksam geworden waren.

18 Angeklagte hatten sich gleich zu Prozessbeginn am Mittwoch schuldig bekannt, für zehn von ihnen endete das Verfahren bereits nach wenigen Stunden mit Schuldsprüchen.

Neun weitere Angeklagte mussten sich auch noch am nächsten Tag im Schwurgerichtssaal einfinden.

Unter ihnen war auch jener 47-jährige rumänische Staatsbürger, der in der Schlepperhierarchie eine höhere Stelle bekleidet und sich als einzig nicht geständig verantwortet hatte.

Der Mann hatte bis zu seiner Verhaftung in Wien gelebt.

Er war es gewesen, der die über Stellenanzeigen auf Facebook rekrutierten Fahrer in Empfang nahm, sie in Wien in Quartiere brachte, ihnen Wertkartenhandys und Bargeld aushändigte und sie zu jenem Parkplatz in Himberg (Niederösterreich) brachte, wo Transportfahrzeuge bereitstanden. Mit lauter Stimme und heftig gestikulierend erklärte der 47-Jährige: „Es wird ein Sündenbock gesucht, der bin ich nicht.“

Flüchtlinge statt „Zementsäcken“ geführt

Seine Mitangeklagten hätten genau gewusst, dass sie statt „Zementsäcken“, von denen immer die Rede gewesen sei, Flüchtlinge transportieren würden. Pro Fahrt seien 350 bis 450 Euro zu verdienen gewesen.

„Ich war vorher ein ganz normaler Fahrer, jetzt bin ich ein Mafiachef“, empörte sich der Angeklagte.

„Wir wissen, dass über Ihnen in der Organisation weitere Personen standen“, beruhigte Richterin Daniela Berger den Angeklagten. Er sei weder ein „Mafiachef“ noch ein „Sündenbock“.

Der 47-Jährige berichtete, dass die „Fahrer“ Videos in die Heimat geschickt hatten, um mit dem verdienten Geld „bei Freunden in Moldau anzugeben“.

„Da finden sie leicht fünf, sechs, sieben andere, die das Gleiche machen wollen“, sagte er. Selbst habe er keine Flüchtlinge transportiert.

„Große Summen Geld“ habe er nicht verdient.

Staatsanwältin Patricia Lendzian berichtete, dass von der Organisation für die Bezahlung der Fahrer hohe Geldbeträge unter Mistkübeln oder Altkleidercontainern hinterlegt worden seien. „Es gab Funde von 60.000 Euro“, sagte die Staatsanwältin.

„Ich hatte nicht die Koordinaten für diese Summen“, erwiderte der Angeklagte. „Bei 60.000 Euro wäre ich sicher nicht mehr da. Wenn man arm ist und die Möglichkeit hat, 60.000 Euro zu ergattern, verschwindet man einfach.“

Er wurde am Donnerstag der Vorwoche zu vier Jahren Haft verurteilt.

Sechs seiner Komplizen erhielten für je eine Fahrt 30 Monate Haft, einer wurde zu drei Jahren Haft, ein weiterer zu drei Jahren und drei Monaten verurteilt.

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