Ehrenzeichen für Breitenbrunner Computerfreak der ersten Stunde

Erstellt am 23. Mai 2022 | 05:58
Lesezeit: 4 Min
Für Verdienste um die Republik erhielt Peter Kotauczek das Ehrenzeichen in Gold. Porträt eines bewegten Lebens.
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Professor Kotauczek, der seit mehr als 50 Jahren in Breitenbrunn lebt, gilt als Computer-Pionier der ersten Stunde. Schon Ende der 1960er Jahre sprach er sich für einen „PC für jedermann“ aus.

„Wenn mir als junger Kerl wer gesagt hätte, wie mein Leben verlaufen würde, hätte ich ihn ausgelacht.“

Mit mehr als 80 Jahren leitet er nach wie vor die Holding des BEKO Konzerns als Aufsichtsratsvorsitzender. Nicht nur das, Peter Kotauczek gilt außerdem als Philosoph, Querdenker, Maler, Musiker, Schreiber, Systemtheoretiker, Unternehmer und Ingenieur. „Wenn mir als junger Kerl wer gesagt hätte, wie mein Leben verlaufen würde, hätte ich ihn ausgelacht.“

Der mehrfache Schulabbrecher verbrachte seine Zeit lieber „auf der Gasse“. Mit 15 Jahren startete Kotauczek eine Lehre als Elektro-Mechaniker. Nach seiner Gesellenprüfung machte es schließlich „klick“ und Peter wurde bewusst, dass er mehr in seinem Leben erreichen wollte.

„Das konnte noch nicht alles sein. Ich war davon überzeugt, dass ich zu viel mehr im Stande war, als mir bislang bewusst war“, erinnert sich Peter Kotauczek zurück. Und das sollte auch zutreffen.

So begann er, als zweiten Bildungsweg sein Ingenier-Studium, welches er mit Auszeichnung abschloss. Vom Ehrgeiz gepackt ging er an die Hochschule für Welthandel, um Werbung und Marketing zu studieren.

Schulabbrecher ging mit Unternehmen an die Börse

Im Sommer 1966 schloss er sich mit zwei Kollegen zum „Technischen Büro für Maschinenbau“ zusammen. Sein Studium schmiss Kotauczek dafür hin —und bereute es nicht. So wurde er zum ersten österreichischen Unternehmer mit einem Gewerbeschein für Software-Dienstleistungen.

„Allerdings war dieses Wort damals noch gar nicht bekannt. Das hat mich so geärgert, dass ich mit Branchenkollegen einige Jahre später den ,Verband der österreichischen Software-Industrie‘ gründete, dem ich dann über zwanzig Jahre als Präsident vorstand“, so der Unternehmer.

1991 gründete er dann die erste Experimental-Mikro-Aktiengesellschaft in Breitenbrunn, um zu lernen, wie der Aktienmarkt funktioniert. Das führte seine „BEKO“, wie das Unternehmen seit damals heißt, 1999 nach Frankfurt an die Börse. Seitdem wurde er zum passionierten Börsianer.

Neben seiner Gattin Elisabeth hat es ihm auch die Kunst angetan. Das Ehepaar lernte in Breitenbrunn einige Künstler kennen, allen voran den Maler Gottfried Kumpf und die Werkstätte Breitenbrunn.

Nicht nur die „Computergestützte Großbildverarbeitung“ (CALSI-Technik) auf Professor Kotauczek zurück, er lehrte darüber hinaus auch an der Universität für angewandte Kunst in Wien sowie der Kremser Donau-Universität. Seine Kunstwerke sind mehrfach preisgekrönt, so erhielt er etwa die Franz Kafka Medaille, den Grand Prix „Graphik Praha 94“ und den Masaryk-Preis für Computerkunst.

Aktuelle Arbeit an Bitcoin-Zentrum und „Bullybursti“

Doch damit nicht genug, auf den Breitenbrunner gehen auf noch andere Erfindungen zurück: der Bau des ersten Großbildplotters für Hausfassaden, Kompositionen mit dem Computer, der Bau von Bühnenbildern, die Destillation von Phosphor aus Klärschlamm, der Bau eines Rennmotorrads für Weltmeisterschaftseinsätze von Gustl Auinger, Elektrisches Gehen mit Maschinen, sowie der Bau einer Malmaschine, mit der das größte Bild der Welt gedruckt wurde, was ihm auch einen Eintrag ins Buch der Rekorde einbrachte.

Auch wenn Peters Entschluss, von der lauten Großstadt ins idyllische Burgenland zu ziehen, viel zu seiner zufriedenen Ausgeglichenheit beigetragen hat, so möchte er sich dennoch nicht zu Ruhe setzen. Auch heute ist im keine einzige Minute fad, wie er selbst sagt.

Derzeit baut er das Projekt „Bitcoin-Zentrum Breitenbrunn“ unter dem Marken-Namen „Bullybursti“ gemeinsam mit jungen Leuten der Initiative „Rette Dein Geld“ auf. „Ich hoffe mit meiner Kapitalmarkt-Erfahrung mithelfen zu können, dass wir, ähnlich wie Florida, das Burgenland zum geistigen Zentrum innovativer Anwendungen von virtuellen Assets machen können. Wieder einmal Jungunternehmer, mit über achzig! Das ist doch was, oder?“, lacht der Ingenieur.

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