„Affentanz“ nach Match: Schlägerei

Erstellt am 05. März 2022 | 05:36
Lesezeit: 4 Min
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Am Podersdorfer Fußballplatz sprachen nach einem Match im September 2021 die Fäuste. Drei Personen wurden verletzt.
Foto: BVZ
Wilde Szenen nach Schlusspfiff. Zwei Männer angeklagt: Diversion und Freispruch im Zweifel.
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Ausgeartet war die „dritte Halbzeit“ nach dem Match am 11. September. Nachdem die Gäste aus Oggau die Hausherren, den UFC Podersdorf, mit einem 0:2 deprimiert in die Kabine geschickt hatten, brach am Spielfeldrand eine Schlägerei aus.

Dabei erlitten zwei Männer und eine Frau Verletzungen. Zwei mutmaßliche Täter standen am Dienstag dieser Woche vor Richterin Birgit Falb.

„Es war eine alkohol- und testosterongeschwängerte Atmosphäre“, fasste Rudolf Tobler, Anwalt des 50-jährigen Erstangeklagten, das Ambiente zusammen. Die Emotionen kochten hoch, als ein Oggauer Fan Laute wie ein Affe ausstieß, herumtanzte und sich unter den Achseln gekratzt haben soll.

„Ich ging hin und fragte, was wollt’s?“, erinnerte sich der Erstangeklagte. Da sei ein Mann aus der Gruppe der Oggauer Fans auf ihn zugekommen. „Ich habe ihm eine geknallt“, gab der 50-Jährige zu. „Bevor ich mich hauen lasse, pracke ich ihm eine.“

Hinter ihm sei eine Person gestanden, die versucht habe, ihn wegzuziehen. „Der habe ich auch eine geprackt“, so der Angeklagte. Im nächsten Moment habe er gesehen, dass er gerade eine Frau zu Boden geschlagen hatte.

„Ich stand zwischen den Gruppen“, berichtete jener 53-jährige Mann, der den ersten Faustschlag abbekommen hatte. Er habe den Streit schlichten wollen. „Ich breitete die Arme aus und sagte: Es ist aus!“ Da habe er einen Schlag gespürt und „Sternderl“ gesehen.

Zuschauerin zu Boden geschlagen: Trommelfellriss

„Er ist geflogen wie ein Boxer“, berichtete der 51-jährige Bruder des ersten Opfers. „Den Herrn, der meinen Bruder geschlagen hatte, zog ich weg. Er sagte: Dich hole ich auch noch!“

Seine 44-jährige Lebensgefährtin sei ihm gefolgt. „Da zieht er noch einmal durch und wixt meiner Freundin eine!“, berichtete der Zeuge.

„Ich weiß nur noch, dass ich auf der Wiese lag“, erinnerte sich die 44-Jährige. Sie hatte links einen doppelten Trommelfellriss erlitten, der zwischenzeitlich verheilt ist.

„Ich wusste nicht, dass es eine Frau ist“, gab sich der 50-jährige Angeklagte reuig. „Es tut mir wahnsinnig leid!“

„Sie hätte eine Dauerfolge haben können!“, ermahnte ihn die Richterin. „Was mischt sie sich auch ein“, gab der Angeklagte zurück. Er entschuldigte sich bei den Opfern: „Tut mir leid. Aber ihr habt’s angefangen!“ Auf Schmerzensgeld verzichteten beide.

Der 50-Jährige erhielt eine Diversion: Wenn er 1500 Euro Geldbuße und 150 Euro Gerichtskostenbeitrag bezahlt, wird das Verfahren gegen ihn eingestellt.

Komplizierter war die Klärung des Konflikts zwischen dem zweiten Angeklagten, einem 42-jährigen Mann, und einem 38-jährigen Mitglied des Oggauer Fanclubs.

„Sie sollen Affentänze veranstaltet haben?“, hielt ihm die Richterin vor.

„Definitiv nicht“, widersprach der 38-Jährige. „Die Podersdorfer Spieler sahen unzufrieden aus. Da schrie ich hinüber: Zahlt’s ihnen mehr!“, erinnerte sich der Oggauer Fan.

Er habe den Schlag auf den 53-Jährigen beobachtet und wollte sich dem Ort der Auseinandersetzung nähern. Da sei ihm der 42-jährige Angeklagte mit gestrecktem Bein aufs Knie gesprungen. Ein Zeuge sprach von einem „Kung-Fu-Sprung“.

Mit schlimmen Folgen: Der Oggauer Fan erlitt einen Bruch des Schienbeinkopfes, musste operiert werden, war eine Woche lang im Spital und bis Mitte Februar im Krankenstand.

Der 42-jährige Angeklagte bekannte sich nicht schuldig. Sein Anwalt Nikolaus Rast verwies darauf, dass sein Klient „Flip-Flops“ getragen habe, also gar nicht imstande gewesen wäre, zu laufen oder einen Tritt zu verpassen.

„Die Beschimpfungen wurden immer deftiger“, erinnerte sich der 42-jährige Angeklagte. „Unsere Fans ließen sich das nicht gefallen“, fügte er hinzu. Der Bruder des 38-Jährigen habe ihn niedergestoßen, er habe „Tritte kassiert“, jedoch „ganz sicher nicht“ auf den 38-Jährigen hingetreten.

Er vermute, dass der 38-Jährige beim Hintreten versehentlich mit dem Bein gegen eine Zuschauerbank geprallt sei und sich dadurch selbst verletzt habe.

Der 38-Jährige blieb dabei: Der 42-Jährige habe ihm die schwere Beinverletzung zugefügt: „Wenn ich rüberschaue, rinnt mir die Ganslhaut runter! Das Gesicht hat sich eingebrannt.“

Die Richterin fällte einen Freispruch im Zweifel. „Möglicherweise kam es zu einer Verwechslung“, sagte sie. Will der 38-Jährige die beantragten 3000 Euro Schmerzensgeld bekommen, so bleibt ihm der Zivilrechtsweg nicht erspart.

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