Protest wirkte: Umwidmung in Rust vorerst auf Eis. Umstrittenes Baulandprojekt wurde unterbrochen, um Stadtentwicklungsplan zu finalisieren und Projekt unter Einbeziehung der Bevölkerung und Gutachter neu anzugehen.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 27. März 2019 (06:58)
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Stein des Anstoßes. Dieses Grundstück hinter dem SeneCura Sozialzentrum sollte in Bauland umgewidmet werden und erregte den Widerstand der Ruster Winzer, die eine Zersiedelung und eine Entwertung der umliegenden Weingärten befürchteten. Nun wurde das Umwidmungsprojekt vorerst gestoppt.
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Geplant. Das rot unterlegte Gebiet hinter dem SeneCura Sozialzentrum soll in Bauland umgewidmet werden. Die Winzer halten hingegen den „Greiner Spitz“ (gestreift) für geeigneter.
Grafik: ZVg

Die umstrittene Umwidmung eines gemeindeeigenen Grundstückes inmitten der Ruster Weingärten ( wir hatten berichtet, siehe hier ) wurde vorerst gestoppt.

Das rund 1,6 Hektar große Areal in Gemeindebesitz sollte in Bauland umgewidmet und für Bauplätze aufgeschlossen werden, doch dagegen erhoben zahlreiche Winzer rund um Herbert Triebaumer und Gernot Schreiner Einspruch.

Sie befürchteten eine Entwertung der erstklassigen Weinlage sowie künftige Probleme bei der Stareabwehr, aber auch eine Zersiedelung durch den „Spinnenfuß“, der hinter dem SeneCura Sozialzentrum 200 Meter über die natürliche Stadtgrenze hinausragen würde. Nun will Bürgermeister Gerold Stagl (SPÖ) zuerst den ohnehin bereits in Arbeit befindlichen Stadtentwicklungsplan bis zum Herbst finalisieren.

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Protest. Zahlreiche Gegner der geplanten Baulandumwidmung am Ruster Ortsrand äußerten ihren Unmut bei einer Kundgebung am Rathausplatz.
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„Man hätte das Projekt vorziehen können, wenn es keine Einwendungen gegeben hätte. Aber so ist es juristisch besser, das auf Basis des Stadtentwicklungsplans zu tun“, so Stagl. Es hätten sich bereits Leute gemeldet, die aktiv daran mitarbeiten wollten, so der Bürgermeister weiter: „An die Bevölkerung geht mein Aufruf, da mitzuarbeiten.“

Laut Stagl seien damit auch wieder andere Gebiete, wie etwa der von den Winzern auf Baugebiet favorisierte „Greinerspitz“ im Spiel. Derzeit werde laut dem Bürgermeister „hausintern berechnet, welches Angebot man Grundstückseignern hier machen kann. Es geht auf jeden Fall um leistbares Wohnen – das beinhaltet einen Bauzwang innerhalb von fünf Jahren und die Verpflichtung zur Hauptwohnsitzmeldung“, so Stagl.

FPÖ und Winzer sehen Aufschub positiv

Nationalrat und FPÖ-Gemeinderat Christian Ries begrüßt die Entscheidung von Bürgermeister Stagl zurück an den Start zu gehen. „Wir haben die Mängel in der bisherigen Vorgehensweise durch Anfragen und Anträge aufgezeigt und die ersten Aussagen der Raumplanungsstelle werden wohl auch kein ,Persilschein‘ gewesen sein, mutmaße ich einmal“, so Ries, dessen Hauptkritikpunkt darin gelegen habe, „dass es bis heute keinen Stadtentwicklungsplan gibt“.

Winzer Gernot Schreiner zeigt sich optimistisch: „Wir sehen diesen Schritt positiv – denn es ist immer besser, gemeinsam an etwas zu arbeiten, als über andere drüberzufahren – und wollen an der Erarbeitung des Stadtentwicklungsplans auch aktiv mitarbeiten.“