In Magistrats-Kasse gegriffen: 90.000 Euro veruntreut. Eisenstädter Magistrats-Mitarbeiter veruntreute in knapp drei Jahren fast 90.000 Euro: „Ich schäme mich total dafür!“

Von Elisabeth Kirchmeir. Update am 21. Februar 2018 (11:16)
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Elisabeth Kirchmeir

Völlig überfordert war ein 35-jähriger Mann offenbar mit seiner Arbeit beim Magistrat Eisenstadt. Weil es ihm nicht gelang, Bargeldbeträge zeitgerecht und korrekt in die Kasse einzubuchen, steckte er die Überschüsse einfach in die eigene Tasche.

Insgesamt veruntreute der 35-Jährige als Mitarbeiter des Magistrates im Zeitraum von April 2014 bis Ende 2016 89.640 Euro. Anfang Jänner 2017 fielen die Malversationen auf, der Mann wurde entlassen.

Am Mittwoch dieser Woche musste er sich vor einem Schöffensenat unter dem Vorsitz von Richterin Birgit Falb verantworten.

Thermenurlaube und Renovierung finanziert

Staatsanwältin Beatrix Resatz warf dem Angeklagten vor, dieser habe nicht ordnungsgemäß ins Kassenjournalsystem eingetragene überschüssige Beträge an sich genommen, um Fehlbestände zu verschleiern. Später habe der Angeklagte auch Einzahlungen storniert und das Geld aus der Kasse genommen.

Mit dem abgezweigten Geld habe der Mann Thermenurlaube und die Renovierung seines Wohnhauses finanziert, so die Staatsanwältin.

„Er hatte nicht den Mut, es seiner Vorgesetzten zu sagen, und auch nicht die Kraft aufzuhören“, erklärte Verteidiger Nikolaus Mitrovits. Sein Mandant sei „kein Schwerverbrecher“, sondern in die Veruntreuung „hineingewachsen“.

Der Angeklagte sei von Beginn an geständig gewesen. Seit April 2017 habe er einen neuen Job und zahle monatlich Teilbeträge an das Magistrat zurück. Er wolle den Gesamtschaden gutmachen.

„Habe den Eindruck, Sie haben den Überblick verloren“

„Ich war das Aushängeschild des Magistrats“, sagte der Angeklagte und schilderte mit gebrochener Stimme, dass immer wieder Menschen vor seiner Kasse warteten. „Ich bin ein Mensch, der schnell nervös wird“, berichtete der Ex-Magistrats-Mitarbeiter.

„Ich habe den Eindruck, Sie haben den Überblick verloren. Es ist Ihnen entglitten“, fasste Richterin Birgit Falb zusammen.

„Total!“, antwortete der Angeklagte. „Mir tut es unheimlich leid, ich schäme mich total dafür“, fügte er hinzu.

Mit dem zur Seite geschafften Geld habe er sich „ein besseres Leben“ finanziert. Die Malversationen seien „eine ständige Last“ gewesen, er sei froh, dass „man draufgekommen ist“, so der Angeklagte. Er wolle sich, so der 35-Jährige, beim Bürgermeister, der Magistratsdirektorin und allen Bürgern der Stadt entschuldigen.

Der Schöffensenat verurteilte den bislang unbescholtenen Mann wegen Veruntreuung und verhängte eine Strafe von 12 Monaten Haft auf Bewährung. Ins Gefängnis muss er nicht, weil es „mehr Sinn macht, wenn er arbeiten geht“, so die Richterin. 12 Monate Freiheitsstrafe seien jedoch auch als strenge Strafe zu betrachten, zumal es sich dabei um ein Drittel des ausschöpfbaren Strafrahmens handle.

„Er griff bewusst in die Kasse und verschaffte sich einen schönen Zusatzverdienst“, erinnerte die Richterin an die schwerwiegenden Tathandlungen.

Der Angeklagte nahm das Urteil an, auch die Staatsanwältin verzichtete auf Rechtsmittel. Das Urteil ist somit rechtskräftig.