Betrügerin behauptete: „Habe Leukämie“. 223.000 Euro Schaden – vier Jahre Haft – nicht rechtskräftig

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 18. September 2019 (13:15)
Werner Müllner
Das Justizzentrum Eisenstadt.

In Eisenstadt musste sich am Mittwoch, 18. September 2019, eine 47-jährige Frau wegen des Vorwurfs des gewerbsmäßig schweren Betrugs verantworten. Sie hatte, wie Staatsanwalt Anton Paukner sagte, „die Gutgläubigkeit anderer Menschen“ ausgenützt, um an hohe Geldbeträge zu gelangen.

Teilweise behauptete die bereits 2011 und 2014 wegen Betrugshandlungen verurteilte Frau, sie werde die ihr überlassenen Geldbeträge gewinnbringend anlegen. Teilweise gab sie vor, an Leukämie erkrankt zu sein und das Geld für Therapien zu benötigen.

Zunächst bezifferte der Staatsanwalt den Schaden mit 350.000 Euro, im Laufe des Prozesses reduzierte sich die Schadenssumme, weil sich herausstellte, dass die Frau einen Teil der Darlehen bei Familienmitgliedern und Banken bereits zurückgezahlt hatte.

„Wofür haben Sie das Geld verwendet?“, wollte Richterin Karin Lückl wissen.

„Darf ich die ganze Geschichte erzählen?“, fragte die Angeklagte.

„Nein, weil dann sind wir in zwei Tagen noch da“, erwiderte die Richterin.

Zum Teil habe sie mit dem Geld „gehandelt“, zum Teil Schulden zurückgezahlt, brachte die Angeklagte ihre Strategie auf den Punkt.

„Loch auf, Loch zu“

„Man kann sagen: Loch auf, Loch zu“, assistierte die Richterin.

Nach den beiden früheren Verurteilungen hatte die Betrügerin die verhängten Haftstrafen per Fußfessel verbüßt -und weiterhin Straftaten begangen.

Gegenüber einem Onkel hatte sie behauptet, dass sie an Leukämie erkrankt sei und Geld für eine Therapie benötige.

„Das hat aber nicht gestimmt?“, vergewisserte sich die Richterin.

„Nein“, gab die Angeklagte zu.

Sie kassierte das Geld, das ihr Ziehsohn an Unterhalt bekam, und nahm auf den Namen der Pflegetochter einen Onlinekredit auf, von dem sie nur zwei Raten zurückzahlte.

Ex-Freund zahlte für Zähne

Einen Schaden von 61.500 Euro meldete der Ex-Lebensgefährte der Angeklagten an. Er habe für seine Partnerin Zahlungen übernommen, unter anderem die Rechnung einer Zahnklinik über mehr als 28.000 Euro beglichen.

Auch ihm gegenüber soll die Angeklagte behauptet haben, dass sie an Leukämie leide. Der Lebensgefährte borgte sich daraufhin Geld aus, um seiner Freundin zu helfen.

Über eine „Trading-Plattform“ versuchte die Angeklagte, Gewinne zu lukrieren. „Ich investierte Geld, verlor es aber“, gab die Betrügerin zu. Sie habe „in kurzer Zeit zu viel Geld machen“ müssen und sei ein „zu hohes Risiko“ eingegangen.

„Da steigt in mir der Ärger hoch, wie man anderen Leuten dafür das Geld aus der Tasche ziehen kann!“, erklärte der Staatsanwalt dazu in seinen Schlussworten.

Die seit Februar in Untersuchungshaft befindliche Angeklagte bekannte sich zu den meisten Vorwürfen schuldig.

Rascher Rückfall

Der Schöffensenat unter dem Vorsitz von Richterin Karin Lückl verurteilte die Frau zu vier Jahren Haft. Ein Schadensbetrag von 223.268 Euro wurde für verfallen erklärt – diese Summe muss die Frau an die Republik bezahlen. An die Opfer der Betrugshandlungen muss die Frau hohe Geldbeträge zurückbezahlen, auch der Ex-Lebensgefährte bekam 7000 Euro zugesprochen. Für den restlichen Betrag wurde der Mann auf den Zivilrechtsweg verwiesen.

Die Richterin verwies auf den raschen Rückfall: „Sie haben während der anderen anhängigen Strafverfahren und während des elektronisch überwachten Hausarrests Ihre strafbaren Handlungen fortgesetzt.“

Die Angeklagte nahm das Urteil an, der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.