Dreimal Admiral-Lokale überfallen. 21-Jähriger aus dem Bezirk Bruck an der Leitha wegen drei Raubüberfällen auf Wettbüros verurteilt.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 27. September 2018 (16:22)
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Elisabeth Kirchmeir

Liebeskummer habe ihn in die Depression getrieben, die Depression habe er mit Glücksspiel betäuben wollen. Als das Geld nicht mehr reichte, beging er Raubüberfälle und veruntreute das Guthaben eines gemeinnützigen Vereins.

Das Szenario, das der 21-jährige Angeklagte aus dem Bezirk Bruck an der Leitha am 27. September 2018 vor dem Schöffensenat am Landesgericht Eisenstadt schilderte, wirkt wie der tragische Plot eines durchschnittlichen Fernseh-Krimis.

„Ich verspielte mehr als ich verdiente“, gab der junge Angeklagte zu. Seine Mutter habe ihn mit zwei Krediten unterstützt, er selbst nahm weitere 10.000 Euro auf und suchte um Kredite in der Höhe von 40.000 und 50.000 Euro an.

Im Oktober 2017 hatte er sich überreden lassen, in seiner Heimatgemeinde die Funktion des Obmanns eines Jugendvereins zu übernehmen. Zu Beginn des Jahres 2018 hob er vom Sparbuch des Vereins 3050 Euro ab, bezahlte damit dringende Rechnungen und verspielte den Rest.

Alles verspielt

„Haben Sie gewonnen?“, fragte Richterin Gabriele Nemeskeri.

„Nein“, gab der Angeklagte kleinlaut zu.

Mit einem Trick verschaffte er sich Zugang zum Konto des Vereins und entwendete weitere 2160 Euro.

Einige Raten für den Autokredit, der auf den Namen der Mutter lief, waren offen. „Ich musste schnell zu Geld kommen“, schilderte der 21-Jährige die prekäre Situation im März 2018.

Er habe es „mit seinem Gewissen am besten vereinbaren können, dass ich es mir dort zurückhole – unrechtmäßig -, wo ich es verloren habe“.

Nämlich im Wettlokal.

Vermummt ins Wettlokal

Am 22. März 2018 legte er die vorbereitete Vermummung an, überklebte die Markenbezeichnung seiner Sportschuhe mit silbernem Klebeband und betrat mit einer Airsoft Pistole, die er eine Woche zuvor gekauft hatte, kurz vor Mitternacht ein Admiral Wettlokal in Eisenstadt.

Mit den Worten „Money, Money“ und „fast, fast“ forderte er den Angestellten auf, Geld ins mitgebrachte Plastiksackerl zu packen. Dabei legte er die Pistole, die einer echten Waffe täuschend ähnlich sah, auf den Tresen. Der Angestellte nahm Pistole in einem unbeobachteten Moment rasch an sich, der Räuber verließ das Lokal – mit gerade mal 1350 Euro Beute.

Der zweite und dritte Überfall

„Ich hatte damit gerechnet, dass es mehr ist“, gab der Angeklagte zu.

Nur eine knappe Woche später, am 28. März, stand er neuerlich maskiert und mit einer neuen Waffe im Anschlag im Wettlokal in Eisenstadt. Diesmal erbeutete er 1422 Euro.

Den dritten Raubüberfall beging der junge Mann auf ein Wettlokal in Fürstenfeld, das er mit 1275 Euro verließ.

Am 6. April wurde er verhaftet. Vor der Polizei verhielt er sich geständig, auch vor Gericht gab er offen über seine Tathandlungen Auskunft.

Seelische Abartigkeit

Manfred Walzl, Sachverständiger für Psychiatrie, diagnostizierte bei dem Angeklagten eine „seelische Abartigkeit höheren Grades“. Der junge Mann benötige unbedingt eine Therapie. Ohne Behandlung sei das Krankheitsbild geeignet, neuerliche Tathandlungen hervorzurufen.

Dass der Vater in seine Straftaten involviert gewesen sein könnte, stritt der Angeklagte ab. Gegen den Vater wird aufgrund eines WhatsApp-Verkehrs mit dem Angeklagten ermittelt, in dem von „Überfall“ und „Admiral“ die Rede war, wie Staatsanwalt Christian Petö dem 21-Jährigen vorhielt.

„Wir sind das neue Überfall-Duo“, soll der Angeklagte seinem Vater kurz nach dem ersten Raubüberfall mitgeteilt haben.

„Ist es da abwegig, wenn man annimmt, dass der Vater beteiligt ist?“, wollte der Staatsanwalt wissen.

Es habe sich um „Scherze“ gehandelt, argumentierte der Angeklagte. „Ich wollte normal sein, damit niemand Verdacht schöpft.“

Einweisung droht

Der Schöffensenat verurteilte den jungen Mann zu 30 Monaten Freiheitsstrafe, davon 25 Monate auf Bewährung. Als Damoklesschwert schwebt für die nächsten zehn Jahre die Drohung einer Unterbringung in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher über ihm – vorerst muss der junge Mann aber eine solche nicht aufsuchen. Stattdessen wurde die Weisung erteilt, er müsse sich einer stationären Therapie unterziehen, um seine Spielsucht und seine Depression zu bewältigen.

Sämtlichen Schaden muss der junge Mann wieder gut machen. Die Wettlokale fordern rund 4000 Euro, der Jugendverein 4900 Euro.

Der Angeklagte nahm das Urteil an, der Staatsanwalt bat um Bedenkzeit – das Urteil ist nicht rechtskräftig.