Spar Markt Kolla schließt: Das Ende einer Ära. Dorothea und Richard Kolla aus Purbach gehen in Pension, ihr Spar Markt Kolla sperrte zu. Der Abschied war schwer.

Von Lisa-Marie Zehetbauer. Erstellt am 24. Juli 2021 (05:49)
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Dorothea und Richard Kolla gehen in Pension. Am Foto zu sehen: Vizebgm. Martin Horak, Richard Kolla mit Tochter, Dorothea Kolla, Bürgermeister Richard Hermann. Die Stadtgemeinde Purbach dankte mit einer Ehrenurkunde für die besonderen Verdienste.
zVg ÖVP Purbach, zVg ÖVP Purbach

Eine Ära geht zu Ende. Nach 61 Jahren schloss der Nahversorger „Spar Markt Kolla“ am 30. Juni seine Pforten. Dorothea und Richard Kolla gehen in ihren wohlverdienten Ruhestand.

„Die Entscheidung fiel keineswegs leicht. Wir haben sehr lange überlegt, ob wir den Schritt zur Schließung tatsächlich wagen sollen,“ erzählt Dorothea Kolla. Vor allem der tägliche Kontakt und das Plaudern mit ihren Stammkunden fehlt der 60-Jährigen. Kein Wunder – schließlich führte sie den Nahversorger gemeinsam mit ihrem Mann 35 Jahre. Die Beiden übernahmen das Geschäft direkt von Richard Kollas Eltern. „Man könnte sagen ich wuchs in dem Geschäft auf, genauso wie unsere Kinder. Aber man geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, so der 62-Jährige. Vor allem in den letzten beiden Jahren hätten die beiden gemerkt, dass sie mittlerweile zum alten Eisen gehören. Den Spar Markt zu führen, kostete immer mehr Anstrengung, sodass es einfach Zeit für die Pensionierung wurde. Richard Kolla berichtet: „Ich stand täglich um halb drei Uhr früh auf, um Blumen zu holen und Brot bzw. Gebäck zu backen. Auch jetzt noch klingelt meine innere Uhr jeden Morgen um die gleiche Zeit.“

Keine Weiterführung des Nahversorgers

Nun müssen sich erstmals alle an die Umstellung gewöhnen. Eine Übernahme des Geschäfts ist nicht möglich. Die Tochter, Petra Kolla, welche ebenfalls seit acht Jahren im Spar Markt tätig war, hätte den Nahversorger gerne weitergeführt. Doch aufgrund der behördlichen Auflagen war das nicht möglich. Zu groß wäre die Investitionssumme für den Umbau gewesen. „Es ist natürlich sehr schade, weil so wäre das Geschäft weitergeführt worden und es wäre noch dazu ein Familienunternehmen geblieben“, bedauert Herr Kolla. Ein Verkauf ist nicht geplant. Das Geschäft soll erstmals leer stehen. Mit dem Schließen des kleinen Marktes im Ortszentrum, gibt es nun keinen Nahversorger im Zentrum der Stadt mehr. Das bedauert auch Bürgermeister Richard Hermann (ÖVP), stellt aber fest: „Wir sind im Zentrum trotzdem gut aufgestellt mit dem Stand von Iris Wallner ,Iris Gemüseraritäten‘, der sogar an der B50 liegt und der Bäckerei Berger in der Hauptgasse gibt es trotzdem noch ein Angebot für die Anrainer.“

Ein gebührender Abschied

Am 30. Juni, dem letzten Öffnungstag des Spar Marktes, ließen es sich viele Kunden nicht nehmen, sich zu verabschieden. Auch die Blaskapelle Purbach, Bürgermeister Richard Hermann, sowie Vize Martin Horak zählten zu den Gästen. Letztere überreichten dem pensionierten Ehepaar eine Ehrenurkunde für ihre treuen Dienste. Dorothea zeigt sich sichtlich gerührt: „Unsere Kunden sind uns bis zum Schluss treu geblieben, was mich wirklich sehr freut. Mit diesem großartigen Abschied hätten wir nie gerechnet. Wir haben getanzt und gelacht wie auf einem richtigen Fest. Die vielen rührenden Abschiedskarten, die wir bekommen haben, lesen ich mir noch heute immer wieder durch.“

Mehr Zeit für die Kinder

Doch jetzt wollen beide positiv in die Zukunft blicken und ihre Pensionierung genießen. Bis das möglich ist, müssen sie zuvor noch den Spar Markt ausräumen. Danach wollen sie ihre freie Zeit mit ihren sechs Kindern und acht Enkelkindern genießen. Außerdem sind Tagesausflüge und Kurzurlaube mit ihrem original Oldtimer Bus geplant. Ihr letzter Urlaub ist immerhin bereits 10 Jahre her. Doch zu lange möchte sich Herr Kolla nicht auf die faule Haut legen. Der Christbaumverkauf im Dezember, den er bereits seit vielen Jahren führt, ist auch heuer wieder geplant.