Breitenbrunn: Yachtclub muss die Segel streichen

Erstellt am 20. Januar 2022 | 05:23
Lesezeit: 4 Min
440_0008_8270392_eis03wp_ycbb.jpg
Vor der Räumung. Der Yachtclub Breitenbrunn (YCBb) muss fast 53 Jahre nach seiner Gründung das Areal am Neusiedler See räumen, ein weiterer Aufschub der Exekution würde die finanziellen Mittel überschreiten. Foto: YCBb
Foto: Foto: YCBb
Die Exekution des Räumungsbescheids wird nicht länger aufgeschoben. Damit ist das Ende des Areals des Yachtclubs Breitenbrunn (YCBb) besiegelt. Der Verein selbst soll aber weiterbestehen.
Werbung
Anzeige

Der Exekutionsbescheid schwebte schon länger wie in Damoklesschwert über dem Areal des Yachtclubs Breitenbrunn (YCBb). Wegen des laufenden Verfahrens gegen die Esterhazy Stiftung, die das Areal von der Gemeinde übernahm — mit dieser führt der YCBb ebenfalls einen Rechtsstreit — und die Segler nun loswerden möchte, konnte die Exekution zwar mehrfach aufgeschoben werden.

Rechtlich wäre das auch heute noch möglich, allerdings: ein Aufschub kostet. Der YCBb muss der Stiftung als Rechtsnachfolger der Fürstlichen Domänenverwaltung für die Dauer des Aufschubs eine Art Ersatzzahlung leisten. Diese wurde nun neu bemessen und übersteigt die finanziellen Mittel des Vereins, erklärt Präsident Walter Bajons gegenüber der BVZ.

Schicksal besiegelt: Segler räumen das Gelände

Damit müssen die Mitglieder des Traditionsvereins, der mit Doppel-Olympiasieger Roman Hagara, Olympia-Dritten Thomas Zajac und OeSV-Sportdirektor Matthias Schmid mehrere rot-weiß-rote Spitzensegler hervorgebracht hat, nach fast 52 Jahren ihr Areal am Neusiedler See räumen. Schweren Herzens ziehen die Segler die Konsequenzen aus der (finanziellen, nicht rechtlichen) Niederlage gegen den übermächtigen Gegner und trennen sich vom Vereinssitz, den im Jahr 1969 noch Fürst Paul Esterházy persönlich zur Verfügung gestellt hatte.

„Die Prozesse wurden auf finanzieller Ebene totgeschlagen.“

Da die „Sicherheitsleistungen“ nun nicht mehr zu bewältigen sind, zog das Team um Präsident Walter Bajons den Schlussstrich: „Die Prozesse wurden auf finanzieller Ebene totgeschlagen. Nun wird die Exekution vollzogen, bevor das Verfahren beendet ist“, so der segelnde Anwalt mit einer Mischung aus Wut, Trauer und Kampfgeist. Bis der Exekutor kommt, will man beim YCBb aber nicht warten. In der Vorwoche fand eine außerordentliche Generalversammlung statt, bei der die Mitglieder über die jüngste Wendung informiert wurden. Ihnen wurde nahegelegt, sämtliche Gegenstände abzuholen und wegzuräumen, „damit das Areal übernommen werden kann.“ Bis Ende Jänner werde das Clubgelände „eigenständig, nicht durch den Exekutor“ leergeräumt sein, schätzt der Segler-Präsident.

Für bauliche Maßnahmen — wie etwa beim Ende des Lindenstadions in Eisenstadt, als die Stadt nach Ablauf des Pachtvertrages noch für den (Teil-)Abriss aufkommen musste — müsse der Yachtclub Breitenbrunn nicht aufkommen.

Wer zahlt für die Bau- und Abrissarbeiten?

„Wir übernehmen keine Kosten für bauliche Veränderungen. Am Papier und im Gerichtsakt heißt es, dass die Gemeinde dafür aufkommen muss“, schildert Bajons und meldet gleich Zweifel an der Umsetzung an: „Ich nehme aber an, dass es sich dabei um Scheinverpflichtungen handelt.“ In diesem Punkt dürfte das letzte Wort also noch nicht gefallen sein.

Betroffen sind jedenfalls auch die Kabanen am YCBb-Gelände, die für viele als Nebenwohnsitz dienten. Auch diese müssen geräumt und übergeben werden — was für besonders erbitterten Widerstand gegen die „Enteignung durch Esterházy“, wie es Bewohner vor zwei Jahren bei einem BVZ-Lokalaugenschein plakativ formulierten, sorgte. Ähnlich radikal sah das Ende des Pachtvertrags zwischen Esterhazy Stiftung, Gemeinde und YCBb auch Ex-Präsident Christian Müller-Uri Ende 2018, der damals „ein ähnliches Vorgehen wie bei der Umfahrung Schützen“ gegenüber der BVZ als legitim befand. Heißt konkret: Enteignung.

Mit einem Anwalt als Präsidenten ist man beim YCBb zwar rechtlich gut aufgestellt. Die millionenschwere Esterhazy Stiftung als größter privater Grundbesitzer im Burgenland spart auf juristischer Ebene allerdings auch keine Kosten und Mühen. Mit Universitätsprofessor Andreas Vonkilch habe Esterházy „die Mietrechts-Koryphäe Österreichs“ geholt, erklärt Bajons anerkennend.

„Schmunzelte der OGH“ schon vor Aktenlieferung?

Dieser habe ihm gegenüber erzählt, dass man beim „Obersten Gerichtshof (als für den Fall zuständiges Gericht; Anmerkung BVZ) schon über den YCBb schmunzelt“, ärgert sich Bajons. Zum damaligen Zeitpunkt lag der Akt nämlich noch gar nicht beim OGH. „Solche Äußerungen stehen Herrn Vonkilch natürlich frei. Wie man aber über etwas schmunzeln kann, was man noch nicht kennt, kann ich mir nicht erklären“, vermeidet der Anwalt Spekulationen, wie der OGH schon vorzeitig informiert gewesen sein könnte. Nur soviel: Vonkilch sei jedenfalls bestens vernetzt.

Vor Gericht wird trotz der jüngsten Entwicklungen weitergestritten. Nur die Segel musste man beim YCBb nun also streichen. Das Aus für den Club soll das aber nicht bedeuten, dieser soll fortbestehen. Nur wo und wie ist noch unklar. Darüber soll nun mit den Mitgliedern diskutiert werden.

Werbung