Neusiedler See als Politikum

Vom Donau-Zufluss, dem Mega-Bau in Fertörakos und den heimischen Projekten.

Erstellt am 01. Januar 2022 | 06:30
Lesezeit: 3 Min
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Wasserknappheit. Der Neusiedler See droht immer öfter auszutrocknen. Heuer war der Wasserstand zeitweise auf einem Rekordtief seit Messungsbeginn 1965.
Foto: WP

Der Neusiedler See, quasi das Herz des Nordburgenlands, war 2021 aus verschiedensten Gründen in den Schlagzeilen — und wird wohl auch 2022 für Gesprächsstoff sorgen.

Gespaltene Meinungen zu geplantem Donau-Zufluss

Besonders kontrovers wurde der geplante Zufluss zum Neusiedler See diskutiert. Von der ungarischen Moson-Donau soll ein Kanal über Jánossomorja, der ungarischen Nachbargemeinde von Andau, Wasser in den See leiten. Damit soll der mittlerweile chronisch niedrige Wasserstand und die daraus resultierende Probleme —etwa Verschilfung, zu wenig Sauerstoff im Wasser und Schiffe, die im Schilf stecken bleiben —bekämpft werden. Der Applaus für diesen Plan, für den das Land drei Millionen Euro veranschlagt hat, hält sich allerdings in Grenzen. Naturschützer wie Greenpeace, die Alliance for Nature, die Freunde des Neusiedler Sees und die Grünen warnen vor einer „Veränderung des Chemismus“ mit unabsehbaren Folgen. Besonders pikant: Den Zuschlag für die Errichtung des Kanals erhielt Lőrinc Mészáros, Milliardär und guter Freund von Ministerpräsident Viktor Orban. Als wäre diese Optik noch nicht schief genug, ist der Magnat auch noch doppelter Nutznießer des geplanten Kanals. Einerseits profitierten seine agrarindustriellen Betriebe in der Region vom Donau-Zufluss —und sorgten mit extensiver Entnahme von Grundwasser (wie auch burgenländische Bauern) für die Wasserknappheit in der Region. Andererseits sind Maßnahmen gegen den sinkende Wasserpegel auch für sein Projekt in Fertörakos geradezu überlebensnotwendig.

Mega-Bau in Fertörakos erhitzt die Gemüter

Am emotionalsten wurde in Österreich wohl das gigantische Bauprojekt am ungarischen Seeufer diskutiert. Dort plant besagter ungarischer Milliardär unter anderemein ein 4-Sterne-Hotel mit 100 Zimmern direkt am Seeufer, etwa 20 Bungalows, ein Parkhaus mit 880 Stellplätzen, einen Yachthafen mit 850 Bootsliegeplätzen und eine Sporthalle mit zwölf Tennisplätzen. Gustostückerl des Mega-Projekts ist aber ein Biosphärenpark, bei dem Besucher die natürliche Schönheit des Sees kennen lernen dürfen —virtuell, in einem gigantischen Betonblock direkt am Ufer. Die typischen schilfgedeckten Stelzenhütten mussten dafür weichen, dafür soll aber auch bei den Neubauten Schilf verwendet werden. Ironischerweise wird dafür aber kein regionales Schilf verwendet, sondern aus China importiert, kritisierten Naturschützer .

Bausünden auch auf burgenländischer Seite

Während die Kritik im Burgenland sich vor allem auf das Mega-Projekt in Fertörakos konzentriert, schlagen Naturschützer auch bei diversen Projekten und Plänen im Burgenland Alarm. „Wer im Glaushaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen“, und „Lieber vor der eigenen Türe kehren“, hieß es dazu vermehrt auf Social Media und auch in der BVZ. Denn die Redimensionierung der 2017 noch beschaulichen Pläne in Ungarn, fand mit Verweis auf bedenkliche Projekte im Burgenland statt. In Breitenbrunn errichten die Esterházy Betriebe ein Seebad mit „Wellness, Spa und Marina“. Dazu werden schon einmal Inseln aufgeschüttet (und nach einem Bescheid wieder abgetragen) oder schilfgedeckte Restaurants durch moderne Bauten aus Beton und Glas ersetzt. In Oggau wurde die ehemalige Kaserne weit unter Wert verscherbelt, das angeblich geplante Hotel wurde nie realisiert, stattdessen entstehen dort Luxushäuser mit Seezugang —und treiben die Grundpreise in die Höhe.

Ein ähnliches Projekt wurde am Ufer der Gemeinde Neusiedl unter dem Namen „Am Hafen“ längst verwirklicht. 21 Seehäuser wurden in den See gebaut. Der Bau verzögerte sich vorerst, weil die Bezirksbehörde die Rechtmäßigkeit der Baubescheide bezweifelte. Der Verwaltungsgerichtshof bestätigte aber 2017 deren Gültigkeit. Mittlerweile sind die Häuser fertiggestellt und teils bezogen.