Kinder „coden“ Roboter bei Schulprojekt. Während die Welt noch überlegt, wie Roboter in Zukunft unsere Arbeitswelt verändern werden, lernen die Schüler der NMS Purbach bereits diese zu programmieren.

Von Reinhold Woditsch. Erstellt am 23. Oktober 2019 (04:49)
Reinhold Woditsch
Workshop. Spielerisch lernen die Schüler den Umgang mit „Robotern“ und erlernen das Programmieren der „Maschinen“.

Dass das Schulwesen mit den Ansprüchen einer modernen Gesellschaft nicht mehr Schritt halten kann, ist ein weit verbreitetes Vorurteil. Mit Projekten wie Coding und Robotik tritt das burgenländische Bildungswesen solchen Stereotypen entgegen. Verstaubte, alte Konzepte werden dabei gegen neue Medien, das Internet, Programmieren und vor allem die theoretischen Hintergründe all dieser Aspekte getauscht.

Coding (also Programmieren) und Robotik soll helfen, Schüler auf die Herausforderungen des modernen Arbeitslebens vorzubereiten. Das Fach wird seit heuer an der Pädagogischen Hochschule (PH) Burgenland in Form eines Hochschullehrgangs an Lehrer neuer Mittelschulen (NMS) vermittelt. Verantwortlich dafür ist Thomas Leitgeb, der selbst 14 Jahre lang als Lehrer im Klassenzimmer stand.

„Heute reicht es nicht mehr, sich nur als User mit Smartphones, Tablets und Computern auszukennen. Wir wollen die Kinder bei ihrer Faszination für diese Geräte abholen und sie von der passiven Benutzerrolle in eine aktive Gestaltungsrolle bringen,“ beschreibt der Lehrgangsleiter die Motivation hinter dem Projekt.

Schon bevor Coding und Robotik als Hochschullehrgang angeboten wurde, hat die PH Burgenland bereits rund 100 Lehrer im Rahmen von Fortbildungen geschult. So wird Coding und Robotik derzeit an 25 Neuen Mittelschulen als Wahlpflichtfach geführt. Auch sieben Volksschulen und sieben polytechnische Schulen sind momentan dabei.

„Wir bilden Schülerinnen und Schüler für Berufe aus, die teilweise noch gar nicht erfunden sind. Deshalb ist es besonders wichtig, uns nicht nur auf Fachinhalte zu konzentrieren, sondern Kompetenzen hinsichtlich Safer Internet, problemlösungsorientierten Denkens sowie sozialer Zusammenarbeit zu stärken. Dabei kommen neue fachdidaktische Ansätze wie beispielsweise Skill based Learning oder Problem based Learning zum Einsatz,“ erklärt Leitgeb. Außerdem unterstreicht er, dass es nicht um eine Verherrlichung digitaler Medien, sondern vielmehr einen kritischen, selbstbestimmten Umgang damit gehen soll: „Die Schüler sollen lernen, selbst in die digitale Welt einzugreifen. Sie sollen unterscheiden können, wo digitale Medien sinnvoll und hilfreich sind und wo nicht. So soll Coding und Robotik virtuelle und reale Fähigkeiten zur Problemlösung miteinander verbinden.“

Kurzweilige Stunde mit Coding und Robotik

Eine der teilnehmenden Schulen ist die NMS Purbach, wo Coding und Robotik in den 3. und 4. Schulstufen im Ausmaß von einer Wochenstunde unterrichtet wird. „Das Feedback der Schüler ist bisher sehr positiv“ berichtet Nina Strommer, die das Fach gemeinsam mit Rita Kallinger unterrichtet. „Die Schulstunden, die wir bisher erlebt haben, sind genauso kurzweilig wie die Stunden, die wir im Lehrgang auf der PH verbringen.

Da vieles für uns Lehrer komplett neu ist, ist es spannend zu sehen, wie Kinder auf Lösungswege kommen, die wir so selbst noch gar nicht gefunden haben.“ Wichtig ist dabei auch die Verbindung mit dem Fach Digitale Grundbildung. „Coding und Robotik wird sehr oft mit dem ohnehin am Lehrplan stehenden Fach Digitale Grundbildung verwoben. So ist es uns möglich, aktuellen Problemstellungen die Tiefe einzuräumen, die sie benötigen“, so Strommer.

Obwohl der Name es vermuten ließe, geht es bei Coding und Robotik nicht nur um Programmieren: „Ziel dieses Faches ist es nicht, dass alle SchülerInnen Programmierer werden, sondern dass sie ein tieferes Grundverständnis von ihrem online-Alltag bekommen. Wenn eine Schülerin zum Beispiel weiß, wie ein Algorithmus funktioniert, wird sie auch den Umgang mit Social Media kritischer hinterfragen,“ erklärt die Lehrerin. Natürlich zählt zu diesem Grundverständnis auch ein Basiswissen der Programmiersprache. Dieses wird spielerisch erarbeitet, zum Beispiel unter Zuhilfenahme von sogenannten „Bee-bots“.