Weinlese: Kampf gegen Stare. Der heurige Wein ist in den Kellern und Flaschen, in den Weingärten startet der jährliche Kampf mit den fliegenden Schädlingen.

Von Peter Wagentristl. Erstellt am 18. Oktober 2020 (05:59)
Fleißig. Auch Bürgermeister Thomas Schmid half bei der Lese des Oggauer Gemeindeweins mit.
zVg

Der erste Jungwein ist abgefüllt, die Trauben sind großteils gelesen, nur einige späte Rotweinsorten und der Süßwein warten noch im Weingarten. Für Letzteren beginnt nun die kritische Zeit: Die Stare fressen vielen Winzern die Ernte weg.

Besonders schwer trafen die Vogelschwärme im Vorjahr den Ruster Weinbau, der mit dem Ausbruch (Prädikatwein aus edelfaulen Beeren) als Aushängeschild besonders auf den Süßwein — mit dem sich die Storchenstadt im Jahr 1681 das Stadtrecht erkaufte — angewiesen ist. Im Vorjahr vernichteten die Stare über 95 Prozent der späten Trauben und verursachten so erheblichen (finanziellen) Schaden bei den Winzern. Entsprechend viel Wert legt man daher auf die Abwehr der Vögel. Spannend wird es aber erst in etwa zehn Tagen, erklärt Weinbauverein-Obmann Manfred Widder. Dann steht die Lese des Ausbruchs an, „falls es so weit kommt.“ D

ie Stare seien jedenfalls wieder da und nicht weniger geworden, sorgt sich Widder. Ob die Weingärten wieder von einer so einer enormen Anzahl an fliegenden Schädlingen heimgesucht werden wie im Vorjahr, ist noch nicht absehbar. Die Winzer stehen jedenfalls mehrere Stunden am Tag mit Schreckschusspistolen bewaffnet in den Weingärten und hindern die Vögel daran, sich niederzusetzen. Heuer kommt auch eine Drohne zum Einsatz, „die bringt aber nur im Normalbetrieb etwas“, so Widder. Bei Schwärmen wie im Vorjahr sei das Gerät aber chancenlos und werde von den Staren zum Absturz gebracht. Auch die Netze erwiesen sich im Vorjahr nicht als praktikable Lösung.

Oggau: Gemeinde engagiert „Hiata“

Nach den Erkenntnissen aus dem Vorjahr setzt man auch in Oggau auf menschliche Vogelabwehr, die sogenannten „Hiata“ (Hüter). „Wir haben als Gemeinde einige Pensionisten geringfügig angestellt, um den Weinbauern in den Feldern bei der Stareabwehr zu helfen“, erklärt Bürgermeister Thomas Schmid das Vorgehen in Oggau. „Dabei gehen wir in Abstimmung mit dem Weinbauverein vor. Die Bezahlung übernimmt die Gemeinde, wann und wo die Hiata im Einsatz sind, wird mit den Winzern koordiniert“, so Schmid. Dieses System funktioniere tadellos, freut sich der Ortschef, der bei der Lese des Gemeindeweins selbst anpackte.