Totalausfall beim Süßwein wegen Stare-Plage. Die Winzer der Freistadt klagen über einen Totalausfall beim Ruster Ausbruch. Die BVZ war bei Weinbauverein-Obmann Manfred Widder für einen Lokalaugenschein.

Von Peter Wagentristl. Erstellt am 23. Oktober 2019 (05:44)
BVZ
Totalausfall. Die herkömmlichen Maßnahmen zur Starebekämpfung greifen nicht mehr, erklärt Manfred Widder.

Eines der Markenzeichen der Freistadt Rust ist derzeit in Gefahr: Diesmal nicht der Storch, sondern der Ruster Ausbruch.

Für den Prädikatswein werden die von Grauschimmelfäule (Botrytis) befallene Trauben einige Wochen nach der eigentlichen Lese geerntet. Der so gewonnene Süßwein hat Jahrhunderte Tradition und trug historisch wesentlich zum Ansehen von Rust bei. Sogar das Freistadtrecht hat die Gemeinde mit ihrem Ausbruch erkauft: Für 60.000 Gulden und 30.000 Liter Furmint wurde Rust von Leopold I. zur Freistadt erhoben.

Doch die Jahrhunderte alte Tradition könnte nun zu Ende sein: Unzählige Stare sorgen in Rust heuer für einen Totalausfall beim Ausbruch, obwohl die Wetterbedingungen eigentlich optimal wären.

Totalausfall wegen Stare-Plage

„So etwas habe ich noch nie erlebt, die Dimension ist neu“, erklärt Manfred Widder, Obmann des Weinbauvereins Rust bei einem Lokalaugenschein der BVZ. „Die Weingärten sehen aus, als wären wir bereits mit der Lesemaschine durchgefahren. Es hängt keine einzige Traube“, so Widder deprimiert. Besonders ärgerlich: Die herkömmlichen Maßnahmen greifen nicht mehr. Die Schwärme sind an Schreckschüsse bereits gewohnt und fliegen bestenfalls kurz auf, um sich gleich wieder zu setzen. Auch die teuer angeschafften Netze zeigten keine Wirkung: „Wir haben alles versucht, von unterschiedlich feinen Maschen bis hin zu Netzen über den ganzen Weingarten. Es hat alles nichts gebracht, wir haben hundert Prozent Ernteausfall.“ Der Vogelschwarm sei so schwer, dass die Netze dem Gewicht nicht Stand halten. Oder die Vögel rütteln die Schutznetze, bis die Weintrauben fallen.

Die Zukunftsaussichten sind düster. Einerseits hänge die Situation auch mit dem Klimawandel zusammen: Der Ausbruch wird früher reif und die Stare sind länger unterwegs, da der erste Reif, ab dem die Vögel verschwinden, später kommt.

Der zweite Grund: „Die Population ist einfach zu groß“, erklärt Widder und stellt auch den Tierschutz in Frage: „Wenn ein Vogel stirbt, werden wir angezeigt und müssen zahlen. Mit Gewehren kann man so große Schwärme aber auch nicht jagen.“ Eine Lösung hat der Obmann des Weinbauvereins auch nicht parat. Von Seiten der Politik würde sich der Winzer aber mehr Unterstützung wünschen, „bisher hat man uns erklärt, die Lage sei nicht so schlimm wie dargestellt. Wie schlimm soll es denn noch werden?“

Im Weingarten nebenan werden währenddessen schon die „mittlerweile nutzlosen, teuren“ Netze abgebaut, darunter ist nichts mehr zu retten. „Für heuer war´s das“, heißt es im Weingarten. Wie es nächstes Jahr weiter geht? „Das weiß derzeit noch keiner.“ Der Optimismus halte sich jedenfalls in Grenzen.