Kultur aus dem Exil. Die St. Margarethenerin Isa Stirm ist in Frankfurt als „ÖSA — Botschafterin für österreichische Lebenskultur“ bekannt.

Von Peter Wagentristl. Erstellt am 09. Januar 2021 (04:54)
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Heimatverbunden. In Frankfurt ist die St. Margarethenerin Isa Stirm als „Botschafterin für österreichische Lebenskultur“ bekannt. Ihr Heimatbundesland liegt der Exil-Burgenländerin besonders am Herzen.
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Vor nun fast zwanzig Jahren verließ Isa Stirm aus St. Margarethen das Burgenland Richtung Deutschland. „Ich habe meine Sachen gepackt und mich in den Zug nach Hamburg gesetzt. Das war schon recht spannend“, so Stirm. Auch wenn es sie in die Ferne zog, Österreich und vor allem das Burgenland nehmen weiterhin einen wichtigen Platz in ihrem Herzen ein. In ihrer derzeitigen Heimat, Frankfurt am Main, kennt man die Exil-Burgenländerin als „ÖSA — Botschafterin für österreichische Lebenskultur.“

Erst im Ausland habe sie ihre alte Heimat so richtig lieben gelernt. Die Grafikdesignerin will mit ihrer kulturellen Tätigkeit aber nicht belehren, sondern bereichern. Die rot-weiß-rote Kultur käme dabei in Deutschland stets gut an. Besonderes Highlight scheint dabei der reiche Schatz an Schimpfwörtern im Dialekt zu sein. „Vuitschobal“ kennt etwa kein hochdeutsches Pendant, „Oida“ sei in seiner Bedeutungsvielfalt gar eines der spannendsten Austriazismen: „,Oida‘ ist eine Emotion, ,oida’ kann Freude, Wut und Trauer ausdrücken.“ Ihre Liebe zum heimischen (Schimpf-)Wortschatz bringt Stirm mittlerweile auch beruflich zum Ausdruck. „Ich setze auch im Job auf die rot-weiß-rote Karte“, erklärt sie ihr ungewöhnliches Berufsfeld.

„Scheiss di net an“ als Lebenseinstellung

Gemäß ihres Mottos — natürlich ebenfalls mit österreichischen Kraftausdrücken — „Scheiss di net an“ riskierte sie den Start in ein neues Berufsfeld. Nicht nur für sie, sondern generell. „Ich probiere mich aus und mache die verschiedensten Sachen“, so die kreative „Magrednerin“. Zu den Events, die sie als „ÖSA“ organisierte, zählt etwa ein Heuriger in ihrem Viertel. „Ganz viele Freunde haben dabei mitgeholfen. Es gab Wein aus dem Burgenland und regionale Schmankerl“, etwa aus dem Betrieb ihrer Familie. Ihr Bruder Florian Händler führt den Shop für Bio-Öle in St. Margarethen.

Mittlerweile hat sie für ihre Veranstaltungen ein Gewerbe angemeldet. Zu ihrem rot-goldenen Kulturangebot zählen etwa auch Kochkurse und „Schimpfkurse“ auf Österreichisch. Ich sage aber immer dazu: Bis man fließend auf österreichisch schimpfen kann, dauert es Jahrzehnte“, ist Stirm von der Komplexität des heimischen Schimpfwortschatzes fasziniert.

Coronabedingt läuft es auch in der Deutschland nicht gut in der Event-Branche. Neuestes Projekt der „Kultur-Botschafterin“ ist daher ein digitaler Knödelkochkurs für Firmen. „So kann man sich österreichisches Lebensgefühl nachhause bestellen“, so die St. Margarethenerin.

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Kreative Landwirte. Florian und Regina Händler und Landwirtschaftskammer-Präsident Nikolaus Berlakovich.
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