„Gschiaser“ Streckhöfe als echte Rarität. Streckhöfe sind heutzutage eine echte Rarität geworden. Früher waren sie von großem Wert für bäuerliche Kleinbetriebe.

Von Lisa-Marie Zehetbauer. Erstellt am 30. Januar 2020 (03:19)
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Bis in die 1950er Jahre wurden im Burgenland sogenannte Streckhöfe gebaut. Mit dem Ende der bäuerlichen Kleinbetriebe, haben nun die meisten dieser Streckhöfe keinen Nutzen mehr, so auch in Schützen am Gebirge.

Hierbei handelt es sich um langgestreckte, schmale Häuser. An der Straße wurde früher gewohnt, dahinter fand man Stallungen und Wirtschaftsbereiche. Der schmale Hof wird dabei durch die Wand des Nachbarhofes begrenzt. Gerade weil sie oft in Grenznähe zu finden sind, erlagen sie in der Vergangenheit oft Verwüstungen durch kriegerische Ereignisse.

Etwa 70 großteils bewohnte Streckhöfe

In gibt es noch etwa 70 Streckhöfe, davon sind die meisten nach wie vor bewohnt. Die Wohngebäude sind bei vielen baulich verändert: Es gibt keinen mittigen Hof mehr, sondern das Gebäude steht quer und ist an beiden Grundgrenzen angebaut, der Giebel verläuft parallel zur Dorfstraße. Ganz ursprüngliche Streckhöfe, bestehend aus eng hintereinander gebauten Wohn-, Stall-, Scheunen- und Schupfentrakten im rechten Winkel mit der Giebelseite des Wohnhauses zur Dorfstraße, gibt es natürlich viel weniger. Die Streckhöfe sind im Ortskern, hauptsächlich entlang der Hauptstraße zu finden. Der wirtschaftliche Nutzen von Streckhöfen ist natürlich verloren gegangen, dennoch prägen die Streckhöfe im Bereich der Hauptstraße noch immer das Ortsbild. Es gibt Abschnitte in der Hauptstraße, wo noch heute mehrere Streckhöfe mit der ursprünglichen Bebauung vorhanden sind.

„Bei Umbauten und neuen Bauten in diesem Bereich sollte auf das vorherrschende Ortsbild Rücksicht genommen werden. Die noch vorhandenen Streckhöfe sind etwas Besonderes und nach Möglichkeit zu erhalten“, so Bürgermeister Roman Zehetbauer.

Der Typus eines langgestreckten Hauses, bei dem alle Funktionen hintereinander angeordnet sind – vorn das Wohnen, hinten die Wirtschaftsräume -, kommt schon in der Antike vor, etwa als Standardbebauung der römischen Kolonialdörfer. Die pannonischen Streckhöfe sind wohl auf eine einheitliche Planung der ehemaligen ungarischen Hofkanzlei in Wien in der Zeit Kaiser Josephs II. zurückzuführen. Die faszinierende Gleichförmigkeit der Bebauung vom Wiener Becken bis in das Banat ist in der strengen staatlichen Ordnungsmacht der Wiener Hofkanzlei begründet. Form und Größe des Hauses wurden in Wien bestimmt. In der ungarischen Staatskanzlei wurden vor allem die Grundstücksstrukturen festgelegt.

Alte Bauweise hat ihren Charme nicht verloren

Bei der Erschließung der Hofparzellen in Schützen wurde vermutlich zuerst die Durchfahrt direkt vom Anger in den hinteren Feldweg für die Ackerwagen angelegt, und was dann noch in der Breite übrigblieb, wurde direkt an der Hauptstraße mit dem Wohnhaus bebaut. Weiter hinten auf dem Streckhof entstanden entsprechend dem Bedarf und vorhandenem Ersparten nach und nach Scheunen und Wirtschaftsgebäude, so lange der verbleibende Platz es hergab. Als Folge von Erbteilung wurden weitere Wohnhäuser in ähnlichem Stil angebaut. Offenbar hat jeder Bauer ein paar Stecken nach Augenmaß in die Erde gerammt – das war dann sein Grundstück; rechte Winkel und parallele Seiten waren eher Glücksache.

Der typische Streckhof bestand meist aus drei bis vier Räumen, in der Mitte mit direktem Zugang vom Hof in die Küche mit anhängendem Vorratsraum (Kuchl mit Speis), von da aus ging es nach links und rechts in die gute Stube bzw. die Schlafkammer. Als Baustoff verwendeten die Schützner Sandstein, dieser war günstig zu beschaffen und leicht zu behauen und wurde mit Lehmmörtel zu Mauern gefügt. Diese dicken Sandsteinwände waren und sind nach wie vor ein hervorragender Energiespeicher, was sich besonders im heißen Sommer auszahlt.

Die Decken wurden bei etwas größeren Spannweiten als selbst-abstützende Kuppelgewölbe ausgeführt, Stahlbeton gab es noch nicht. Folglich hatte auch der Dachboden wegen der Kuppeln ein buckliges Profil und konnte deshalb nicht als Wohnraum genutzt werden. Hier wurden Heu und Schilf für die Viehfütterung gelagert.