Adoptivkind gequält? Nordburgenländischer Pädagoge vor Gericht

Erstellt am 26. Mai 2022 | 05:56
Lesezeit: 3 Min
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Mit vier Jahren kam die Inderin nach Österreich. Sie soll von ihrem Adoptivvater jahrelang gequält worden sein. Der pensionierte Lehrer bekannte sich zu den Vorwürfen nicht schuldig.
Foto: Symbolfoto: Torwaistudio, shutterstock.com
Pensionierter 64-jähriger Lehrer soll Mädchen geohrfeigt und zu einem Exorzisten gebracht haben. Er bekannte sich nicht schuldig.
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Bis 2008 soll ein heute bereits in Pension befindlicher Lehrer seine Adoptivtochter wöchentlich ins Gesicht und aufs Gesäß geschlagen haben.

Er soll das Gesicht des Mädchens in Katzenurin getaucht, das Kind zur Strafe aus dem Schlaf gerissen und zu einem Priester gebracht haben, der ihm „den Teufel austreiben“ sollte.

Dabei soll das Mädchen mit eiskaltem Wasser übergossen worden sein.

Die Misshandlungen sollen im Bezirk Eisenstadt stattgefunden haben.

Heute lebt der beschuldigte Pensionist mit seiner Familie im Bezirk Mattersburg.

Angeklagter bekannte sich nicht schuldig

Der Angeklagte bekannte sich in der Vorwoche vor Richterin Birgit Falb nicht schuldig.

Seine Adoptivtochter sei möglicherweise auf seine 33-jährige Frau, mit der er drei Kinder im Alter von eineinhalb, vier und sechs Jahren hat, eifersüchtig. Der Lehrer hatte 2015 ein zweites Mal geheiratet, nachdem seine erste Frau 2013 verstorben war.

Vierjähriges Mädchen aus Indien geholt

Mit dieser ersten Frau, die ebenfalls Lehrerin gewesen war, hatte der Angeklagte 1998 ein 1994 in Indien geborenes Mädchen adoptiert, das einige Monate zuvor bei einem christlichen Orden abgegeben worden war.

Das Kind habe aus der „untersten Kaste“ gestammt. „Das sind Outcasts, die Letzten, die werden zertreten wie Würmer“, sagte der Angeklagte.

Das damals vierjährige Kind sei in einem „erschreckenden“ Zustand gewesen, berichtete er. Außerdem habe sich die Adoptivtochter „extrem merkwürdig und eigenwillig“ verhalten.

„Wurde das Mädchen von Ihnen und Ihrer Frau bestraft?“, wollte die Richterin wissen.

„Niemals!“, erwiderte der Angeklagte. „Wir versuchten zu reden.“

„Ein Jahr zugeschaut, dann Erziehungsschritte gesetzt“

Ein Jahr habe man zugeschaut, „erst dann haben wir Erziehungsschritte gesetzt“, sagte er.

Es sei ihm klargeworden, dass das Mädchen „eigentlich keine Eltern wollte“.

„Sie wollte ihren eigenen Weg gehen, rücksichtslos“, sagte der pensionierte Lehrer.

Als erwachsene Frau Anzeige erstattet

Die heute 28-jährige Adoptivtochter hatte im Vorjahr Anzeige gegen ihren Adoptivvater erstattet.

Sie hatte davon gesprochen, als Kind von den Adoptiveltern mit Schlapfen, Kochlöffeln und rostigen Nägeln geschlagen worden zu sein.

„Das weise ich entschieden zurück“, sagte der Angeklagte.

Er habe auch nicht das Gesicht des Kindes in Katzenurin getaucht. „Brachten Sie Ihre Adoptivtochter zu einem Priester, um ihr den Teufel austreiben zu lassen?“, fragte die Richterin.

„Das hat es nie gegeben“, sagte der Angeklagte. Der Prozess wurde vertagt, weil weitere Zeugen beantragt wurden.

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