Dorfblick: Wohnverhältnisse in St. Georgen

Erstellt am 05. Oktober 2022 | 16:15
Lesezeit: 3 Min
Um 1850 gab es in St. Georgen ca. 135 Häuser mit rund 1.100 Einwohnern, also durchschnittlich 8,1 „Einwohner“ pro Haus.
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Die geringe Wohnfläche mit der hohen Belagsdichte führte zu sehr beengten Wohnverhältnissen. Viele Kinder schliefen daher in Schubladkästen, Mägde auch im „Tischbett“. Das ist eine Bettkiste mit aufklappbarer Abdeckung, die während des Tages als Tisch diente. Die Großbauern, wie Rauchbauer Stefan, Kirchenplatz, Leberl Matthias, Kirchenplatz, Tinhof Leopold, Hauptstraße, boten ihren Arbeitern und Taglöhnern Unterkunft an. Zusätzlich stellte die Gemeinde im Gasthaus und im Gemeindeamt die „Huldenwohnungen“ für die ärmsten der Armen zur Verfügung.

Die Platzverhältnisse waren extrem knapp, die Ausstattung notdürftig und für uns heute unvorstellbar. Johann Hahnekamp, geb. 1932, Dreifaltigkeitsstraße erinnert sich: „Wir, meine Eltern und 4 Kinder, wohnten bei Rauchbauer Stefan. Wir hatten ein Zimmer und eine Küche zur Verfügung, wobei wir uns diese mit der Familie Karacsony teilten. Das Zimmer war der Schlafplatz für die ganze Familie. Für mich und meine 3 Brüder standen 2 Betten zur Verfügung, d. h. pro Bett zwei Kinder.

Um dieser Enge zu entfliehen, verbrachten wir sehr viel Zeit am Kirchenhof, auf den unbefestigten und kaum befahrenen Straßen, den weiten Wiesen und Grünflächen rund ums Dorf und bei der Rochuskapelle. Johann Karacsony war Frisör und Rasierer. Jeden Samstag drängten sich die Männer in der Küche, um sich für den Sonntag „herrichten“ zu lassen“. In den 1950er Jahren wurde unter dem Bürgermeister Valentin Schnedl die Berggasse, heute Koglweg und die Angergasse als Bauland freigegeben. Mit der Finanzierungshilfe der Siedlungsgenossenschaft Frieden, war es möglich, dass sich Familien ihr Eigenheim errichten konnten.

Die Bauplatz Zuteilung wurde ausgelost und erfolgte unter der Aufsicht der Gemeinde Sekretärin Fanni Tinhof. Auch die Familie Johann Hahnekamp übersiedelte in die Berggasse 4. Die Erschließung von neuen Baugebieten brachte eine grundlegende Verbesserung der Wohnverhältnisse. Die rege Bautätigkeit der letzten Jahrzehnte hat viel Wohnraum geschaffen, aber einen drastischen Rückgang der Grünflächen mit sich gebracht.

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