„Eisenstadt einst und heute“, Teil 9: Das „Mord-Haus“. Die Zeitreise durch Eisenstadts Geschichte führt diesmal in ein Haus mit einer dunklen Vergangenheit.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 03. Oktober 2019 (11:19)

Vor 90 Jahren hatte ein Fund in der oberen Neusiedlerstraße unglaubliche Auswirkungen, die Zeitungen berichteten umfassend.

Im Hahnenkamp‘schen Hause, in dem eine Gemischtwarenhandlung betrieben wurde, sollte im Mai 1929 eine Kellerstiege aus Stein durch eine Holztreppe ersetzt werden. Beim Abtragen stieß der Sohn des Hauses auf Skelette eines Mannes in mittleren Jahren, einer etwas jüngeren Frau und eines Kindes. Ebenfalls am Fundort: Amulett.

Die Polizei wurde verständigt und die Gerichtsmediziner erachteten die Skelette im Erdreich als nicht älter als 15 bis 25 Jahre alt.

Gerüchte tauchten auf, eine Familie habe am Weg nach Amerika bei der Familie Hahnenkamp übernachtet und sei plötzlich verschwunden, man verdächtigte die Hahnenkamps des Mordes und des Raubes der Habseligkeiten. Die Stimmungslage kippte und die Familie wurde verhaftet, obwohl das burgenländische Landesmuseum äußerte Bedenken gegen das gerichtsmedizinische Gutachten hinsichtlich des Alters des Skeletts. Dabei kam dem Amulett besondere Bedeutung zu, denn ein ähnliches gab es im Museum von Veszprem – und das stammte aus 1680.

Schließlich wurden die Hahnenkamps enthaftet, doch die Gerüchte blieben. Die Leute mieden das Gemischtwarengeschäft und der Laden musste zugesperrt werden. Niemand wollte das Geschäft betreten oder gar in einem „Totenhaus“ einkaufen. Nicht einmal ein Pächter fand sich.

Am 29. Juli 1933 wurden im Hof des Hahnenkamp-Hauses Erdaushebungen für Wasserleitungsrohre vorgenommen. Bei den Ausgrabungen fand man fünf Skelette. Der Leiter des burgenländischen Landesmuseums in Eisenstadt, Dr. Barb, besichtigte die Skelette und die Beigaben. Die Gräber lagen parallel nebeneinander, anscheinend entlang eines zum heutigen Hofe schräg verlaufenden Weges, waren jedoch streng mit den Füssen gegen Osten, also den Blick nach Sonnenaufgang gerichtet, beigesetzt.

Aufgrund der gefundenen Tonscherben und des Medaillons ging er davon aus, dass die Skelette um 1650, möglicherweise im Zusammenhang mit der Pest, beigesetzt wurden.

Dadurch wurde Familie Hahnenkamp nach vier Jahren endlich rehabilitiert.

Das Haus blieb ungefähr bis 1977 in Familienbesitz, in der Folge siedelten sich dort die Elektrogeschäfte der Familien Heinzl und König an.